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"Die verlorene Zeit": Eine Liebe in Ausschwitz

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Von: Ulrich Feld

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In den siebziger Jahren ist Hannah Silberstein (Dagmar Manzel) mit Daniel Levine (David Rasche) verheiratet und hat auch den Namen ihres Mannes angenommen.
In den siebziger Jahren ist Hannah Silberstein (Dagmar Manzel) mit Daniel Levine (David Rasche) verheiratet und hat auch den Namen ihres Mannes angenommen. © NDR/Tom Trambow

Eine

Eine sehr lange Geschichte erzählt dieser Film: Er beginnt im Jahr 1944, als die Jüdin Hannah Silberstein mit ihrem Geliebten Tomasz Limanowski mit Hilfe einer SS-Uniform die Flucht aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gelingt. Doch erst 1976, also über 30 Jahre später, sieht Hannah, jetzt unter dem Namen Levin verheiratet und in gutsituierten Verhältnissen in New York lebend, Limanowski im TV wieder.

Regisseurin Anna Justice, Ehefrau von Schauspieler Florian Lukas, erzählt die Geschichte in Rückblenden nach einem Drehbuch von Pamela Katz. Es ist eine Geschichte der Flucht und Verfolgung, von Widerstand und russischem Vormarsch. Die Schwierigkeiten im Krieg sind vielfältig: So will Limanowskis streng katholische Mutter Stefania (Susanne Lothar in ihrer drittletzten Filmrolle), zu der sich Tomasz mit seiner Geliebten flüchtet, Hannah nicht beistehen.

Eine Liebe zwischen Nazis und Roter Armee

Sein Bruder Czeslaw (Adrian Topol) kämpft in der polnischen Heimatarmee, der sich auch Tomasz anschließt. Als Limanowski nicht mehr zu ihr zurückkehrt, hält ihn Hannah für tot. Nachdem sie ihn im Fernsehen gesehen hat, versucht sie über den internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ihr Familie kann mit ihrem Verhalten, das sie als befremdlich empfindet, nichts anfangen - Hannah ist nicht fähig, die Wahrheit zu erzählen. 

Glaubwürdig inszenierte Szenen aus den Kriegsjahren

Die dramaturgische Konstruktion erweist sich im Laufe der Filmhandlung buchstäblich als Stolperstein: Der Film krankt an den oft nur schwer nachvollziehbaren Zeitsprüngen zwischen den Kriegsjahren und der Zeit der 70er. Während die Szenen aus den Kriegsjahren glaubwürdig gestaltet sind, spielt die Amerika-Episode in einer völlig anderen Ebene, was die Stringenz der Geschichte ständig aushebelt.

Dass Hannah mit ihren Mann niemals über die Vorgänge gesprochen hat, wirkt nicht besonders glaubwürdig. Dazu kommt, dass Justice die Hannah der 40er Jahre und der 70er Jahre von zwei verschiedenen Schauspielern verkörpern lässt: Alice Dwyer und Dagmar Manzel. Weit besser wäre gewesen, Alice Dwyer auf älter zu schminken. So reißt die Spannung der Geschichte immer wieder ab.

Für die dramaturgischen Mängel entschädigen allerdings die hervorragenden Darsteller - besonders Susanne Lothar - und die erstklassige Kamera. Der Film erhielt unter anderem Preise auf jüdischen Filmfestivals in Los Angeles, London, Zagreb, Hong Kong und Warschau.

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