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"Die Vermessung der Welt"

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Von: Ulrich Feld

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Der eine war ein weltberühmter Reisender, Forscher und Abenteurer, der andere ein Mathematik-Genie: Alexander von Humboldt (1769-1859) und Carl Friedrich Gaus (1777-1855) waren Zeitgenossen, begegneten sich erstmals im Jahr 1826 in Göttingen und pflegten intensive Kontakte. Um diese beiden historischen Figuren verfasste der Schriftsteller Daniel Kehlmann seinen satirischen Roman "Die Vermessung der Welt", der zum Weltbestseller avancierte.

Kehlmann selbst bezeichnete seinen Roman als unverfilmbar und verfasste dann dennoch zusammen mit Detlev Buck ("RubbeldieKatz") das Drehbuch zu der Verfilmung. Der Film füllt seine Laufzeit von zwei Stunden mit vielen Lebensbeschreibungen der beiden Männer. Man sieht Humboldt (Albrecht Schuch) während seiner Reisen durch Südamerika, bei Floßfahrten auf dem Orinoco in Südamerika, während Gauß (Florian David Fitz) zuhause mit Messinstrumenten herumtüftelt oder sich in einer qualvollen Prozedur einen kranken Zahn ziehen lässt (eine Szene mit Alptraumgarantie).

Ohne roten Faden

Nun ist das mit Filmbiographien so eine Sache - Lebensläufe auch berühmter Männer ordnen sich nicht so einfach dramaturgischen Regeln unter wie etwa ein Roman. Sehr schnell gerät ein solcher Streifen zu einer bloßen Aneinanderreihung von Szenen ohne zwingenden Zusammenhang. Leider ist auch Bucks Film in genau diese Falle getappt: Es gibt zwar faszinierende Aufnahmen aus dem Dschungel Südamerikas, beeindruckende Kulissen und Kostüme und auch eine passende Filmmusik. Aber leider keinen roten Faden, keine Spannung und nicht mal einen Hauch von Dramatik.

Die Ironie eines Romans auf eine filmische Ebene zu übertragen dürfte freilich generell nicht einfach sein. Buck (und mit ihm Kehlmann) haben es wohl aus diesem Grund erst gar nicht versucht. Stattdessen lässt Buck auch noch einen allwissenden Erzähler (gesprochen von Christoph Waltz, ohne den offenbar bald gar nichts mehr geht) auftreten, der das Geschehen mit teilweise recht seltsamen Bemerkungen kommentiert - in der erwähnten Szene mit dem kranken Zahn etwa blickt er in die Jetztzeit und stellt einen sehr unpassenden Vergleich zwischen der Medizin damals und heute an.

Überheblichkeit gegenüber der Geschichte

Das ist die typische Überheblichkeit gegenüber der "Rückständigkeit" von Menschen (in diesem Fall) vor 200 Jahren. Der Historie wird man damit natürlich nicht gerecht, und Humboldt und Gauß ebenso wenig. Wie werden wohl die Menschen des Jahre 2215 einst über uns denken?  Abgesehen davon wirkt diese Art des Kommentars auch reichlich altmodisch: Der typische Kunstgriff eines Regisseurs, der seinen eigenen Bildern nicht traut.

Da Buck nicht nur die zudem auch die Lebensläufe von Humboldt und Gauß über lange Zeit kaum in Beziehung zueinander setzt, wird der Film schnell grausam zäh. Das Gefühl, einen großen Abenteuerfilm im Stil von Jules Verne oder Henry Rider Haggard zu sehen, kommt trotz vieler reizvoll dampfender Dschungel-Landschaften in keiner Sekunde auf. Stattdessen gibt es reichlich üppig bebilderten Leerlauf. Schade um die tolle Ausstattung und das für deutsche Verhältnisse üppige Budget von rund zehn Millionen Euro für einen Film, der am besten als Schlaftablette taugt.

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