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"Viel zu nah": Pubertierendes Möchtegern-Drama

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Von: Ulrich Feld

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ARD/HR VIEL ZU NAH, Fernsehfilm, Deutschland 2017, Buch und Regie: Petra K. Wagner, am Mittwoch (15.03.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Caro (Corinna Harfouch) und Ben (Simon Jensen).
© HR/Bettina Müller, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter HR-Sendung bei Nennung "Bild: HR/Bettina Müller" (S2). HR/Pressestelle, Tel: 069/155-4954, Fax: -3005
ARD/HR VIEL ZU NAH, Fernsehfilm, Deutschland 2017, Buch und Regie: Petra K. Wagner, am Mittwoch (15.03.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Caro (Corinna Harfouch) und Ben (Simon Jensen). © HR/Bettina Müller, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter HR-Sendung bei Nennung "Bild: HR/Bettina Müller" (S2). HR/Pressestelle, Tel: 069/155-4954, Fax: -3005 © (HR/Pressestelle)

Ach, was ist der Junge im Grunde so lieb. Das kumpelhafte Verhältnis zu seiner Mutter, der Kommissarin Caro (Corinna Harfouch), kam nicht von ungefähr: Die beiden leben nicht nur zusammen, sondern teilen sich die beiden doch sogar das Hobby Segeln. Mit einem Manöver auf dem Main mit den Hochhäusern im Hintergrund beginnt der Film, mit Caro, die allein an ihrem Boot herumwerkelt, endet er. Und dazwischen geht es um eine Mutter, der ihr Sohn entgleitet. Ben (Simon Jensen) zeigt nämlich beunruhigende Tendenzen.

Ach, was ist der Junge im Grunde so lieb. Das kumpelhafte Verhältnis zu seiner Mutter, der Kommissarin Caro (Corinna Harfouch), kam nicht von ungefähr: Die beiden leben nicht nur zusammen, sondern teilen sich die beiden doch sogar das Hobby Segeln. Mit einem Manöver auf dem Main mit den Hochhäusern im Hintergrund beginnt der Film, mit Caro, die allein an ihrem Boot herumwerkelt, endet er. Und dazwischen geht es um eine Mutter, der ihr Sohn entgleitet. Ben (Simon Jensen) zeigt nämlich beunruhigende Tendenzen.

  Der Junge kifft, säuft, spielt gefährliche Spielchen mit einem Messer, klaut.  Setzt sich eine seltsame Maske auf und fuchtelt mit der Dienstpistole seiner Mutter herum. Dann diese seltsamen Freunde, mit denen er sich neuerdings herumtreibt – auch ein hübsches Mädchen ist dabei. Als bei einem Überwachungsvideo von einem Raubüberfall auf eine Tankstelle einer der Räuber genau die Art Maske trägt, die auch Caros Sohn aufhatte, und auch der Wagentyp, den Bens Freunde benutzen, und auch der  von Bens Freunden benutzte Wagentyp, hegt Caro den Verdacht, ihr Sohn könnte ein Verbrecher sein, und meint, sie müsse ihn vor dem Gefängnis bewahren.  

Corinna funktioniert, Caro nicht

Vom Kontrollverlust will der Film erzählen, von den Ängsten einer Mutter, vom Gefühl des Verdrängt-Werdens. Im Prinzip macht er dabei auch einiges richtig. So hat Petra K. Wagner (Drehbuch und Regie) die Hauptrolle mit Corinna Harfouch besetzt, die noch glaubwürdig die Rolle der Mutter eines 18jährigen spielen kann. Und das mit 62 Jahren, wie macht diese Frau das bloß? Dass Simon Jensen, zur Drehzeit 28 Jahre alt, einen pubertierenden Jugendlichen spielen durfte, klappte schon weniger gut.

Das Hauptproblem oder besser die Hauptprobleme  dieses Films liegen aber in der Figur der Caro. Dass eine Frau, die in leitender Stellung in der Frankfurter Polizei arbeitet, so lässig-locker-lächelnd damit umgeht, dass ihr Sohn kifft und einen Ladendiebstahl begeht, wirkt nicht sonderlich glaubhaft. Auch wenn man in Betracht zieht, dass sie ihn eben nicht wie ihren Exmann Manni (Peter Lohmeyer) verlieren will: Hier wäre doch eine etwas schärfere Reaktion angemessen gewesen.

  Ein komischer Hund

Ihr Verhalten nach dem Raub wirkt noch irritierender, zumal Petra K. Wagner nur wenige wirklich überzeugende Szenen zustande gebracht hat.  Oft passiert lange Zeit eigentlich gar nichts: Caro sieht einen Hund, der heult, als habe er sich gerade einen Werwolf-Streifen reingezogen. Sie fragt Passanten, ob sie diesen Hund gesehen hätten oder sitzt reglos auf dem Boden, während die Kamera sie von allen Seiten ablichtet. Das wirkt angesichts des ambitionierten Themas seltsam lieblos und sorgt für Lageweile, wo man als Zuschauer gerne Mitgefühl für Caro entwickeln möchte.

Endgültig konfus gerät dann die Schlussphase des Films, der ernsthaft an Caros Verstand zweifeln lässt. Das Geschehen wirkt so konzeptlos wie die regelmäßig auftauchenden Zeitlupeneffekte und Trommelwirbel. Fazit: Schade um die gute Grundidee. Zu einer kompetenten Umsetzung hat es leider nicht gereicht.

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