Hauptkommissar Claudius Zorn (Stephan Luca, li) und sein Assistent Schröder (Axel Ranisch, re.) ermitteln auf Burg Giebichenstein in Halle.
+
Hauptkommissar Claudius Zorn (Stephan Luca, li) und sein Assistent Schröder (Axel Ranisch, re.) ermitteln auf Burg Giebichenstein in Halle.

TV-Kritik

"Vom Lieben und Sterben": Nicht überzeugend

  • VonUlrich Feld
    schließen

&quo

"Keine Lust" – dieser Titel von Rammstein hätte Claudius Zorn im Grunde am treffendsten charakterisiert. Der von Autor Stephan Luca ersonnene Kommissar aus Halle wurde in seinem ersten Filmauftritt ("Zorn – Tod und Regen", 2014) von Mi?el Maticevic verkörpert und war einfach unmöglich: Lustlos, ungepflegt, kettenrauchend, unter Höhenangst leidend, ein Schlappschwanz und eine Niete im Bett.

Nun also spielt Stephan Luca den Zorn. Ebenfalls unrasiert, mit langen Haaren und ständig die Kippe im Mund. Und doch wieder ganz anders: Zorn schiebt zwar immer noch die unangenehmen Tätigkeiten gerne seinem Assistenten Schröder (Axel Ranisch) zu. Doch er gibt jetzt auch in der Badehose eine gute Figur ab, zeigt sich engagierter und auch einmal mitfühlend, als er der Mutter eines Mordopfers die Todesnachricht überbringen muss. Dieses Opfer fiel als Radfahrer einem Attentat mittels Drahtseil zum Opfer. Es gehörte zu einer Gruppe junger Leute, die sich unter anderem durch Alkohol und gelegentliche Joints den Tag verschönerten. Ein Mordmotiv ist nicht erkennbar.

Kinderpornos auf Pastor-Computer

Ein Verhör bringt die Polizisten nicht weiter. Martha Haubold (Saskia Rosendahl), das einzige Mädchen der Gruppe will Zorn sogar den Versuch einer Vergewaltigung unterschieben. Auch geschieht ein weiterer Mord an einem Gruppenmitglied. Doch dann rettet Zorn dem jungen Max Brandt (Merlin Rose) scheinbar das Leben: Offenbar wollte Pastor Giese (Tom Quaas), der die Gruppe gut kannte und seit langem betreut hatte, ihn aus dem Weg räumen. Auf Gieses Computer finden Zorn und Hanisch viele Kinderpornos - alles deutet darauf hin, dass er ein Doppelmörder und Serienvergewaltiger ist. Doch trifft das wirklich zu?

Natürlich nicht. Am Ende stellt sich heraus, dass Max Brandt (Merlin Rose) aus der Gruppe der Täter war. Er wurde wie alle anderen Gruppenmitglieder von seinem Vater (Christoph Grunert) missbraucht. Doch eigentlich hat er getötet, weil er in Martha verliebt ist und alle anderen als störend empfunden hat. Logisch erscheint diese Begründung nun wahrlich nicht.

Teils extreme Brutalität

Sie passt aber zu einer Auflösung, die sich generell zu sehr im Tragischen und Emotionalen ergeht, um zu überzeugen. Denn nicht nur sämtliche Gruppenmitglieder wurden als Kinder missbraucht, auch Schröder fiel als Kind einem Kinderschänder zum Opfer. Das ist einfach zu viel, zumal das Vergewaltigungstrauma Max Brandts auch sein mörderisches Verhalten gegenüber den anderen Gruppenmitgliedern und dem Pastor nicht plausibel erklärt. Dazu kommt die extreme Brutalität Brandts: Das zweite Opfer wird nicht nur einfach getötet, sondern mit Benzin übergossen und angezündet. Seine Schreie werden mit Radiomusik übertönt.

Auch ist es nichts Neues, dass Schröder die unerquicklichen Erinnerungen durch einen kräftigen Schluck Wein wieder vertreiben will. Allmählich sehnt man sich nach einem Krimihelden, der auch mal Wein oder Bier trinken darf, ohne durch schreckliche Erinnerungen traumatisiert zu sein. Stephan Luca macht sich in der Fortsetzung zwar gut und Zorn kommt jetzt realistischer rüber. Die Tiefe, die das Skript seinem Kollegen Schröder angedeihen lassen wollte, baut jedoch auf einem klischeehaften Vergewaltigungstrauma auf.

Auch die lauen Gags – die Szene im Restaurant – und der wenig überzeugende Täter mindern die Wirkung dieses Falles. Zorn bekommt aber noch eine Chance: Der dritte Film ist schon abgedreht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare