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"Vorstadtweiber": Sex ohne Erotik

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Von: Ulrich Feld

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ARD VORSTADTWEIBER, neue Serie mit 10 Folgen, Folge 1 am Dienstag (05.05.15) um 20.15 Uhr im Ersten.
Sabine Herold (Adina Vetter) muss sich als Vertreterin von Dessous und Sextoys über Wasser halten.
© ARD/ORF/MR Film Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter ARD/ORF-Sendung im Ersten bei Nennung: "Bild: ARD/ORF/MR Film " (S1). ARD Programmdirektion/Bildredaktion, Tel. 089/5900 3534, Fax 089/550 1259, E-Mail: bildredaktion@DasErste.de
ARD VORSTADTWEIBER, neue Serie mit 10 Folgen, Folge 1 am Dienstag (05.05.15) um 20.15 Uhr im Ersten. Sabine Herold (Adina Vetter) muss sich als Vertreterin von Dessous und Sextoys über Wasser halten. © ARD/ORF/MR Film Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter ARD/ORF-Sendung im Ersten bei Nennung: "Bild: ARD/ORF/MR Film " (S1). ARD Programmdirektion/Bildredaktion, Tel. 089/5900 3534, Fax 089/550 1259, E-Mail: bildredaktion@DasErste.de © (ARD-Programmdirektion)

Zuge

Zugegeben, so richtig versteht man zuerst nicht, warum diese Serie im Nachbarland Österreich so ein Erfolg werden konnte. Was ist besonders an Frauen, die Prosecco trinken? Das Gesöff schmeckt auch Männern und Geburtstagskinder stoßen im Büro damit an. Die Autos können es auch nicht sein: Es dürfen mal ein Porsche Panamera und ein Maserati Gran Cabrio für ordentlichen Klang sorgen, aber Autofans finden unter youtube sicher Besseres.

Ok, da ist schon dieser Hauch von großer Welt, von Luxus, Sünde, Dekadenz und Verruchtheit. Schließlich geht es um Frauen aus der besseren Gesellschaft, die mit reichen Ehemännern verheiratet sind oder waren oder gerade mit solchen anbandeln. Sie heißen Caroline Melzer (Martina Ebm), die ihren Ehemann, den natürlich skrupellosen Banker Hadrian, mit dessen Geschäftsfreund Bertram Selig (Lucas Gregorowicz) betrügt. Und Maria Schneider (Gerti Drassl), ein Heimchen am Herd und selbst ein Opfer: Ihr Mann gehrt fremd - mit wem, wird sich bald herausstellen.

Die Freundin mit dem Sex-Spielzeug

Dann wäre da noch Nicoletta Huber (Nina Proll), die eine Boutique besitzt und dort gefälschte Markenware an den Mann bzw. die Frau bringt. Dazu Waltraud Steinberg (Maria Kostlinger), die ein Verhältnis hat zu Maria Schneiders minderjährigem Sprössling. Und schließlich noch Sabine Herold (Adina Vetter), die von ihrem Mann vor die Tür gesetzt wurde und sich nun mit dem Verkauf von Sex-Spielzeug und Putzen über Wasser hält.

Fünf Charaktere, die alle miteinander vom Drehbuch ausreichend beschäftigt werden wollen. Das erhoffte Prickeln bleibt leider aus, statt nach eiskalten Champagner schmeckt das Ganze besonders zu Beginn eher wie lauwarme Brauselimonade. Es gibt nicht viele Pointen, die Dialoge klingen oft gestelzt.

Und ausgerechnet dadurch, dass Erotik inklusive einiger Bettszenen so freizügig präsentiert wird, geht viel Spannung verloren. Ein klein wenig Verklemmtheit vermittelt oft mehr Lust am Verbotenen, und schlüpfrig-doppeldeutige Dialoge gab es schon weit besser etwa in Woody Allans Film "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko".

Solidarität untereinander: Fehlanzeige

Aber es bleibt nicht alles schlecht. Gerade durch den Charakter der Sabine Herold kommt etwas Erdung und Normalität ins Spiel. Und das, wovor sich sowieso alle fürchten - sozialer Abstieg nämlich - genau das macht Sabine gerade durch. Das ist wie ein Fettfleck auf dem Portrait der besseren Gesellschaft, zumal man dabei auch mitbekommt, was dort Solidarität untereinander wert ist: nämlich nichts.

Als Sabine im Haus ihrer Freundin ihr Sexspielzeug vorführt, muss sie sich den Eintritt regelrecht erzwingen. Man bleibt halt gerne unter sich in der feinen Gesellschaft. Sowas ist nicht nur realistisch, das lässt auch hoffen, dass in den Figuren und Handlungssträngen noch genügend Substanz steckt, weswegen man herausfinden will, warum am Ende  - diese Szene wird am Anfang gezeigt - alle von der Polizei verhaftet werden.

Bis sich die Sache aufklärt, kann man sich die Klischees um den Ableger der US-Serie "Desperate Housewifes" ja noch eine Weile gönnen. Und sogar noch ein Glas Prosecco dazu.

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