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Das gemeinsame Ziel schweißt zusammen: Franz (Andreas Giebel, links) und Alpha (Tony Harrisson Mpoudja) beginnen sich zu mögen. Bild: BR/die film gmbh/Hendrik Heiden

"Wer hat Angst vorm weißen Mann?": Sehr gelungen

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Der übergewichtige Metzgermeister Franz Maisacher (Andreas Giebel) ist ein Grantler, wie er im Buche steht. Kein Wunder: Seit seinem Schlaganfall ist er körperlich stark eingeschränkt, benötigt Hilfe - und sein 18jähriger Enkel ist Vegetarier. Seine Tochter Zita (Brigitte Hobmeier) ist mit ihrem Vater ebenso überfordert wie mit der finanziell angeschlagenen Metzgerei. Und sein Sohn Anton (Simon Schwarz) samt Ehefrau Mireille (Marlene Morreis) möchte eine Lounge für die Schickeria des benachbarten Giesinger Fußballclubs aufbauen.

 

Und dann auch noch ein "Neger" in seiner Metzgerei: der Kongolese Alpha Kitenge (Tony Mpoudja), den seine Tochter notgedrungen heimlich beschäftigt, ist dem Alten erst Recht ein Dorn im Auge. Doch bald wird es richtig dramatisch: Beim Gerangel um das Wechseln einer Glühbirne beendet ein Stromschlag das Leben Franz Maisachers endgültig. Sein Geist bleibt aber gegenwärtig und Alpha ist der Einzige, der ihn wahrnehmen kann - er hat mit Franz ebenfalls den Stromschlag erlitten, aber überlebt.

 

 

Nun müssen sich die beiden zusammenraufen, denn es geht darum, die Metzgerei noch zu retten. Eine Multi-Kulti-Komödie der besonderen Art hat die ARD da wieder ins Programm genommen (der Film stammt aus dem Jahr 2013). Der Witz ist diesmal von der richtig bösen Sorte, was den Film zu einer richtigen Ausnahme-Erscheinung auf dem heimischen Bildschirm macht. Eine schwarze Komödie zum Thema Rassismus und Kulturkampf, wann hätte es so was schon mal im TV gegeben?

 

Dabei folgt die Komödie den bewährten Regeln des "Buddy-Pictures", wie man es aus diversen US-Actionfilmen im Stil von "Nur 48 Stunden" und "Zwei stahlharte Profis" kennt. Dabei geht es immer um zwei sehr unterschiedliche Männer, die sich zu einem bestimmten Zweck zusammentun oder besser zusammenraufen müssen: Sie können sich nämlich erst mal gegenseitig nicht leiden, haben aber ein gemeinsames Ziel. Und fangen auf dem Weg dahin irgendwann an, sich zu akzeptieren und sogar zu mögen.

 

 

Hier ist das ungleiche Paar ein Afrikaner und ein weißer Rassist als Untoter - eine köstliche Idee und sehr einfallsreiche Variante des üblichen Schemas. Alpha wird Franz nicht los, Franz aber benötigt den Mann aus dem Kongo, und das, obwohl er durch sein Verhalten Alpha gegenüber seinen schmählichen Zustand erst herbeigeführt hat. Das Drehbuch legt Franz dabei giftige Kommentare in den Mund, etwa über die mehr oder weniger geheuchelte Trauer seines Sohnes Anton über seinen Tod.

 

Der sprühende Wortwitz mit vielen gut in den recht flotten Handlungsverlauf eingebauten Pointen sorgt für hohen Unterhaltungswert. Und die Schauspieler sind durchweg mit Hingabe bei der Sache: Andreas Giebel als polternder Rassist macht sich besonders gut, aber Tony Mpoudja und Simon Schwarz stehen ihm nicht nach. Eine wunderbar gelungene Komödie zum Thema kulturelle Vielfalt!

 

 

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