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"Die Wiedertäufer": Mit grausigem historischen Hintergrund

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Von: Ulrich Feld

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Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink, r.) konfrontiert Walter Moorwessel (Michael Mendl, M.) und dessen Tochter (Naomi Krauss, l.) mit Ermittlungsergebnissen.
Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink, r.) konfrontiert Walter Moorwessel (Michael Mendl, M.) und dessen Tochter (Naomi Krauss, l.) mit Ermittlungsergebnissen. © ZDF und Martin Lässig

Erst in der Kirche St. Lamberti kommt heraus, wozu Tobias wirklich seinen Großvater zwingen will. Und Mendl kann aus seiner ziemlich plakativ als Widerling angelegten Figur auch eine gewisse Wirkung herausholen. "Die Wiedertäufer" beruht zwar auf einem Originalroman von "Wilsberg"-Erfinder Jürgen Kehrer, gehört aber wegen seiner allzu simplen Charakterzeichnung nicht zu den Höhepunkten der Serie. Einige zum Titel passende Schauerbilder, der wirkungsvolle Humor und die hörenswerte Musik machen ihn aber dennoch sehenswert.

Im Grunde ist es seltsam, dass das Motiv der Münsteraner Wiedertäufer nicht viel öfter in Kriminalgeschichten auftaucht, so bizarr und schaurig wie ihre Geschichte verlief. In den Jahren 1534 und 1535 errichteten Vertreter der ursprünglich gewaltlosen Religionsgemeinschaft unter ihren Anführern Jan Mathys und später Jan van Leiden in Münster ein Reich mit Gütergemeinschaft und weiteren urkommunistischen Zügen und vertrieben ihre Gegner aus der Stadt.

Als daraufhin die Truppen des Fürstbischofs Franz von Waldeck die Stadt belagerten, entartete die Leidens Herrschaft schnell in ein blutiges Schreckensregime. Im Juni 1535 eroberten die Soldaten die Stadt im mörderischen Straßenkampf. Ihre Anführer, darunter auch Jan von Leiden, wurden am 22. Januar 1536 öffentlich gefoltert und hingerichtet. Die  historischen Fakten streift die Filmhandlung aber nur in Ansätzen.

Lokaler Bezug zur Historie

So finden sich zu Beginn die Überreste eines Gärtners in einem der nachgebauten Käfige, in denen Jan van Leiden und zwei seiner Mitanführer nach ihrem Tod öffentlich zur Schau gestellt wurden. Und der Showdown findet in der Kirche St. Lamberti statt, vor der Jan van Leiden mit zwei Gefährten hingerichtet wurde. "Die Wiedertäufer" dreht sich im Wesentlichen um eine Familiengeschichte mit dem frömmelnden Patriarchen Walter Moorwessel (Michael Mendl) und dessen Enkel Tobias (Enno Hesse).

Eine Gruppe von selbsternannten neuen Wiedertäufern scheint vieles anzugreifen, was Moorwessel heilig ist. Neben der etwas holprigen Nebengeschichte um Wilsbergs Nichte Alex Holtkamp (Ina Paule Klink) lebt der Film vor allem von seiner ausgezeichneten Besetzung: André M. Hennicke etwa vermittelt schnell den Eindruck, mehr in den Fall verstrickt zu sein, als er aussagt. Das Thema jugendliche Rebellion ist ordentlich in die Filmhandlung integriert, legt aber zugleich ganz clever eine falsche Fährte.

Plakativer Hauptschurke

Erst in der Kirche St. Lamberti kommt heraus, wozu Tobias wirklich seinen Großvater zwingen will. Und Mendl kann aus seiner ziemlich plakativ als Widerling angelegten Figur auch eine gewisse Wirkung herausholen. "Die Wiedertäufer" beruht zwar auf einem Originalroman von "Wilsberg"-Erfinder Jürgen Kehrer, gehört aber wegen seiner allzu simplen Charakterzeichnung nicht zu den Höhepunkten der Serie. Einige zum Titel passende Schauerbilder, der wirkungsvolle Humor und die hörenswerte Musik machen ihn aber dennoch sehenswert.

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