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Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander, re.) im Gespräch mit dem Offizier Sami Tarkan (Anatole Taubman), der für den türkischen Geheimdienst arbeitet.

TV-Kritik

"Im Zeichen des Taurus": Terror in Istanbul

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Beklemmend aktuell: Der Zweiteiler aus der Reihe "Mordkommission Istanbul" wurde von blutiger Realität eingeholt.

Nicht zum ersten Mal widmet sich "Mordkommission Istanbul" den Umtrieben radikaler Islamisten in der Türkei. Schon die Episode "Das Ende des Alp Atakan" ließ zumindest zwischen den Zeilen deutlich durchklingen, was es heißt, in einer religiös konservativen Familie aufgewachsen zu sein. Aber "Im Zeichen des Taurus" geht noch viel weiter und taucht mitten hinein in die Machenschaften von Terroristen. Dass der Film unter anderem durch das Attentat am Istanbuler Flughafen von Ende Juni mit 45 Toten und dem kürzlich erfolgten Anschlag auf eine Hochzeitsfeier noch einmal kräftig an Aktualität gewinnen würde, konnten die Macher bei der Entstehung des Films noch nicht ahnen.

Im Vergleich zu früheren Episoden erscheint auch die Ehe von Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander) nicht mehr als friedlicher Hafen mit nahezu ungetrübtem Glück. ei  Sevim (Idil Üner) wünscht sich eine Veränderung und hat h für eine Stelle in Berlin beworben. Sie bekommt auch mit, dass ihr Mann Kontakt zu anderen Frauen hat, auch wenn der vorläufig nur dienstlich ist. Die schöne Dilara (Alice Dwyer) gerät durch ihren Bruder Ibrahim (Johannes Klaußner), der sich offenbar einer Terrororganisation angeschlossen hat, ebenfalls ins Visier der Polizei. Den Anfang macht dabei die Leiche eines Bankangestellten, der viel Geld abgehoben hat.

Der Tote stand im engen Kontakt zu dem erfolgreichen Autor Cem Pascha (Alexander Hörbe), der Dilara als seine Assistentin beschäftigt. Eine wichtige Rolle im Geschehen spielen auch Sami Tarkan (Anatole Taubman, ein Oberst des türkischen Geheimdienstes, und eine Gruppe junger Männer unter ihrem fanatischen Anführer Momo (Branko Tomovic). Während sich die Hinweise verdichten, dass die Gruppe einen größeren Anschlag plant, versucht Dilara, ihren Bruder gegen das radikalislamische Mileu zu beeinflussen.

Der Film kommt als Zweiteiler, die Fortsetzung kommt am Samstag wieder um 20.15. Wer in Sachen Tempo und Dramatik ein Art türkischen Nick Tschiller erwartet, dürfte mit dem ersten Teil nicht sonderlich zufrieden sein: Der Film baut in erster Linie ein kompliziertes Beziehungsgeflecht zwischen den Beteiligten auf, lässt den schwergewichtigen Cem Pascha sich außerdem zum Frust von dessen Ehefrau Emine (Siir Eloglu) außerehelich betätigt und ein Kind gezeugt haben.

Mitunter tritt das Geschehen dabei etwas auf der Stelle. Der Kommissar arbeitet vor allem Verdächtige ab und nur der Kniff, dass die Geschichte mit einem offenbar unmittelbar bevorstehenden Bombenattentat beginnt und erst dann wieder rückblickend die Vorgeschichte schildert, lässt die Aufmerksamkeit nicht erlahmen. Erst am Ende gibt es allerdings einen richtigen Knalleffekt und zugleich einen sehr schönen Cliffhanger für die zweite Folge.

 

Die Inszenierung bietet im Wesentlichen durchschnittliche TV-Routine, wobei die Spannungs- und Actionszenen allerdings schon durch ihre ausgetüftelte Lichtsetzung ein paar kräftige Akzente setzen. Unter den Gastschauspielern ragt besonders Branko Tomovic als eindrucksvoll charismatischer Fanatiker heraus. Alice Dwyer meistert ihre Rolle als ängstlich-besorgte Schwester zwar nicht schlecht, geht aber überhaupt nicht als Türkin durch. Ein Problem, mit der die Reihe "Mordkommission Istanbul" und ihre deutschen Gaststars aber nicht zum ersten Mal zu kämpfen hat. Insgesamt macht vor allem der Ausgang des Films kräftig Lust auf den zweiten Teil am Samstag.

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