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Felix (Christoph Schechinger) ist nach gescheiterten Plänen wieder bei seinem Vater Johannes (Ernst Stötzner) eingezogen.

TV-Kritik

"Zwei Bauern und kein Land": Gelungene Neuauflage

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Der feine Bauernschwank erinnert stark an einen Heimatwestern vom letzten Jahr und funktioniert prächtig als Komödie über ein sehr ernstes Thema.

Endlich mal eine richtig gute Rolle für Ernst Stötzner, sonst als Vater von Helen Dorn alias Anna Loos sträflich unterfordert. Wenn er in der Rolle des Pleite-Landwirts Johannes Becker in Deutschlands tiefem Osten sich morgens beim Klang des Weckers tiefer in die Kissen gräbt, anschließend einen verzweifelten Blick in den leeren Kühlschrank wirft und die letzten Tropfen Milch aus seiner Packung schüttelt, spürt man geradezu körperlich: Der Ärmste pfeift aus dem letzten Loch.  

Der Heimatfilm, bereits oft totgesagt, hat sich im ARD-Freitagabendfilm einen regelmäßigen Sendetermin erobert. Richtig so: Von friedlicher Idylle keine Spur mehr. Statt dem Gefühl von Sicherheit und Behaglichkeit fließen immer mehr sozialkritische Elemente in die Filme ein. Wobei, so ausgeprägt war die Behaglichkeit im Heimatfilm entgegen allen Klischees auch früher schon nicht. Regisseure wie Harald Reinl oder Alfred Vohrer, die sich in diesem Genre hervortaten, hatten eine gute Hand für Dramatik und Action. Nicht nur bei Karl May, sondern auch bei Ludwig Ganghofer.

Filmhistorisch war die Blütezeit des klassischen Wildwestfilms auch die hohe Zeit des Heimatfilms. Die enge Verwandtschaft von Heimatfilm und Western trieb die ARD letztes Jahr mit "Matthiesens Töchter" samt namentlichen Verweisen auf Hollywood und passender Filmmusik auf die Spitze. Die Parallelen genau dieses Films zu "Zwei Bauern und kein Land" sind allerdings verblüffend. In beiden Filmen geht es um einen hochverschuldeten Bauern, der sich dagegen wehren will, sein Land einfach aufzugeben.

Dazu um Nachwuchs, der mit Sack und Pack und nach einem Leben voller Pleiten, Pech und Pannen kleinlaut vor der väterlichen Tür steht. Und schließlich um Generationen, die sich zusammenraufen müssen, um zu retten, was noch zu retten ist, weil alte Verbindungen nicht mehr funktionieren. Geld ist schließlich Geld, und Schnaps ist Schnaps. Kein Wunder, dass in beiden Filmen auch ansatzweise eine Wirtshausschlägerei stattfindet.

Bleibt festzustellen, dass in "Zwei Bauern und kein Land" die Geschichte ebenso gut funktioniert wie in "Matthiesens Töchter". Die Mischung aus Humor, (angedeutetem) Ehedrama und sozialem Frust zündet sofort und kommt dank flotter Regie auch sehr schnell in die Puschen. Der Handlungsstrang zwischen Johannes Beckers Sohn Felix (Christoph Schechinger) und der Verkehrspolizistin Marie (Theresa Scholze) passt ebenso.

Trotz allem Witz kommen auch die ernsteren Themen des Films durchgehend zum Tragen. Es geht dabei ja auch um das Sterben der Höfe, den Kampf der Landwirte ums Überleben und das schrankenlose Treiben der Spekulanten. Schön, dass der ARD-Freitagsfilm solche Themen immer wieder aufgreift. Wenn er sie dann auch noch ansprechend und unterhaltsam verpackt, umso besser.

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