Jacqueline (Carol Schuler, l.) und Konstanze (Anja Kling, r.) wollen einfach mal wieder richtig abschalten. Ob das so eine gute Idee ist?
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Jacqueline (Carol Schuler, l.) und Konstanze (Anja Kling, r.) wollen einfach mal wieder richtig abschalten. Ob das so eine gute Idee ist?

TV-Kritik

"Zweibettzimmer": Passable Komödie

  • VonUlrich Feld
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Anja

Anja Kling ist hier als Heldin der Geschichte schon mal recht gut besetzt. Dieser besorgt-skeptische Blick, das leicht Genervte und mitunter Überforderte, dass sie in vielen Rollen ausstrahlt: Ideal für Helikoptermütter oder auch mal entsprechende Tochter-Rollen wie in "Chuzpe – Klops braucht der Mensch" als Tochter von Dieter Hallervorden. Hier gibt die aber ein Muttertier, dass nicht nur von ihren zwei Kindern an den Rand der Belastungsgrenze getrieben wird.

Konstanze (Anja Kling) ist Anfang 40, als Herzspezialistin eine erfolgreiche Ärztin und hat ihren Alltag und ihre Kinder fest im Griff. Anders ihr Mann Philipp (Stephan Kampwirth), von dem sich Konstanze trennen will, nachdem Philipp sie mit einem Au-pair-Mädchen betrogen hat. Als sie jedoch im Krankenhaus eine Treppe hinunterfällt und sich dabei einen komplizierten Bruch zuzieht, muss sie zur Reha. Und trifft dort ausgerechnet auf Jacqueline (Carol Schuler), mit der sie durch einen Buchungsfehler ein Zimmer teilen muss.

Keine großen Überraschungen

Die ist natürlich das genaue Gegenteil von Konstanze: Große Klappe, drei Kinder von drei verschiedenen Vätern, alleinerziehend und eine Vorliebe für grellbunte Kleidung. Natürlich können sich die beiden erst mal nicht leiden, natürlich bemerkt Konstanze Probleme mit ihrem Blutdruck in der Reha-Klinik durch ihren gestressten Lebensstil und natürlich finden die beiden irgendwann dann doch einen Weg, miteinander auszukommen, und lernen voneinander. Eine typische Buddy-Komödie eben, das Erzählmuster wird dabei kaum variiert.

Es fehlt auch nicht die klassische Läuterungsgeschichte, die etwa ab der Hälfte des Films beginnt. Nur das die Vertreter hier weiblich sind. Der ARD-Degeto-Film "Almuth und Rita" lässt grüßen. Dennoch macht der Film seine Sache insgesamt nicht schlecht. Einige Gags sind sicher nicht mehr ganz taufrisch und nicht alle Szenen zeigen sich wirklich durchdacht. Wenn etwa Jacqueline der nach einem Nervenzusammenbruch schluchzenden Konstanze Prosecco gibt, wirkt das als Lösung schon arg simpel, und die Annäherung geht anschließend auch etwas zu schnell.

Ernstere Aspekte gut verarbeitet

Aber gerade die ernsteren Aspekte der Geschichte wie Verantwortung, Beharrlichkeit und Erziehung hat Drehbuchautorin Astrid Ruppert nach ihrem eigenen Roman "Ziemlich beste Freundinnen" recht gut in den Handlungsverlauf integriert. Schöne Szene dabei: Wenn Ehemann Philipp, der zuhause den Kindern die Zügel überaus locker gelassen hat, in wilder Hektik Pizzaschachteln und Soßenflecken entfernt.

Carol Schuler meistert ihre Rolle als irgendwo zwischen Proll und Hippie angelegte Mutter ebenso gut wie Anja Kling die der supergestressten Kardiologin. Leider nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen: Caroline Peters. Insgesamt erfindet der Streifen die Komödie sicher nicht neu, bietet aber genug Substanz für passable Unterhaltung. Es muss nicht immer Krimi am ZDF-Montag sein.

Den ganzen Film gibt es

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