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Flexibles Jammern

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Jammern wird immer schwieriger. Denn es muss sich an veränderte Lebensumstände blitzschnell anpassen, sonst mutiert es versehentlich zur Zufriedenheit.

Jammern wird immer schwieriger. Denn es muss sich an veränderte Lebensumstände blitzschnell anpassen, sonst mutiert es versehentlich zur Zufriedenheit. Das zeigt sich besonders deutlich beim Wetter.

So wird bei frühlingshaften Dezembertagen die Klimaerwärmung gescholten. Kürzlich klagten dann wieder viele, sie könnten die trüben Wintertage nicht mehr sehen. „Lieber ganz kalt und sonnig als diese ständige graue Suppe“, lautete der Mainstream der deutschen Jammerkultur. Und kaum hatten sich alle auf diesen Grundkonsens eingejammert, straft das Wetter sie nun mit der Erfüllung ihrer Wünsche. Da heißt es für den flexiblen Jammerer: Blitzschnell umschalten!

Ein bloßes „Mir ist so kalt“ ist viel zu schwach. Kann es doch der Polarkälte, die wegen ihrer Grausamkeit manchmal auch „Russenpeitsche“ genannt wird, kaum gerecht werden. Mehr Jammerpotenzial haben da schon die Themen „schwer zur Arbeit kommen“, „eingefrorene Balkonpflanzen“ und „Handschuhe verloren“.

Aber der wahre Jammer-Profi geht auf die Widersprüche zu seinen vorherigen Klagen gar nicht ein, sondern hustet stattdessen nur in der Tonlage „final-grippal“. Dann läuft es allen, die Ansteckung fürchten, noch kälter den Rücken herunter, als es draußen schon ist.

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