Hessisch für Anfänger

Geblotzt

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Trotz der langen Trockenheit trugen die Apfelbäume üppig, wobei die Früchte etwas kleiner blieben als in regenreichen Jahren. „Knorzebbel“ oder „Knerzebbel“ werden diese kleiner geratenen Äpfel im

Trotz der langen Trockenheit trugen die Apfelbäume üppig, wobei die Früchte etwas kleiner blieben als in regenreichen Jahren. „Knorzebbel“ oder „Knerzebbel“ werden diese kleiner geratenen Äpfel im Volksmund genannt; darauf macht unser Leser Bernhard Klein aus Dreieich aufmerksam. An einem Baum ist ein Knorz ein knorriges Stück Holz und im Falle von Obstbäumen auch eine kleine, verkümmerte Frucht.

Bei der eigenen Birnenernte wurde deutlich, dass „Knorze“ auch bei Wespen unbeliebt sind, hatten sich die Insekten doch ausschließlich über die großen und süßen Exemplare hergemacht. An heißen Septembertagen hörte man die Birnen, die den Halt verloren, mit dumpfem Geräusch auf dem Boden aufkommen. Auch für diesen Vorgang kennt Herr Klein einen treffenden Mundartausdruck, „blotze“ oder „blotsche“. Wenn sie reif sind, „blotze die Ebbel vom Baam“. Die „Geblotzte“ stehen für Fallobst und aufgeplatzte oder gequetschte Früchte. Der Begriff überrascht allerdings auch in der ungewöhnlichen Verwendung als Zahlangabe, wie die Redewendung aus Rudolf Schäfers „Von de Aal bis zu de Zwiwwele“ zeigt: „So Sticker zwanzich un e paar Geblotzte“. In der Umgangssprache entspricht das zwanzig Stück und „ein paar Zerquetschte“.

Und noch eine Eigentümlichkeit kann „blotze“ ausdrücken, das heftige Rauchen. Ein „Zigaretteblotzer“ qualmt unentwegt.

Das Buch von Hans Peter Dieterich, erschienen im Societäts Verlag, 12,80

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