Kolumne

Hessisch für Anfänger

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Eine der zahlreichen Listen, die das Hessische Fernsehen zur Zuschauerwahl präsentierte, beinhaltete regionale Gerichte. Auf Platz zehn landete der Odenwälder „Brennkees“.

Eine der zahlreichen Listen, die das Hessische Fernsehen zur Zuschauerwahl präsentierte, beinhaltete regionale Gerichte. Auf Platz zehn landete der Odenwälder „Brennkees“. Man vermengt „Keesmadde“ (Quark) mit Natron und Salz, lässt die Masse glasig werden und erhitzt das Ganze langsam unter stetem Rühren. Etwas Butter, ein Ei und nach Belieben Kümmel verfeinern den Kochkäse. Wichtig ist, das aus dem „Brennen“ kein Anbrennen wird: „Vorne geriehrt, brennt hinne net oo.“

Garstige Mäuler behaupten, dass böse Frauen den besten Brennkäse machen, da sie in Rage besonders schnell und kräftig rühren. Wer sich mal an einer „Eibrenn“ („Oibrenn“), der klassischen Mehlschwitze, versucht, weiß, wie schnell man aus Unaufmerksamkeit in die „Brenn kumme“ kann.

Wer „in de Brenn“ ist, steckt „in de Bredullje“, ist in der Klemme. „Durch de Brenn laafe“ entspricht dem Spießrutenlaufen. Der Duden gibt zu „brennen“ elf Bedeutungen an, die wir in unterschiedlichen Zusammenhängen verwenden. Ähnlich ist es in der Mundart. Das Wort „Brenn“ in Flurnamen bezieht sich auf „gebrennte Kalk“. „E gebrennt Kind“ wird einen schmerzhaften Fehler zukünftig zu vermeiden suchen.

Ein Geizhals, heute „Fennigfuchser“ oder „Sparbreedche“ genannt, hieß in Zeiten, als es noch keine elektrische Beleuchtung gab, „Speebrenner“. Dieser begnügte sich mit armseligen Kienspänen als Lichtquelle, obwohl er sich Kerzen leisten konnte.

Von „Brand“ spricht, wer großen Durst hat. Aber auch wer dem Alkohol kräftig zugesprochen hat, „hodd en Brenn“, womit ein starker Rausch gemeint ist.

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80

(hpdie)

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