Hessisch für Anfänger

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Im März liegt bekanntlich der kalendarische Frühlingsanfang. Für den Bauer war der Monat, der seinen Namen dem römischen Kriegsgott Mars verdankt, früher die Zeit, die „Rösslein einzuspannen“.

Im März liegt bekanntlich der kalendarische Frühlingsanfang. Für den Bauer war der Monat, der seinen Namen dem römischen Kriegsgott Mars verdankt, früher die Zeit, die „Rösslein einzuspannen“. Die Bauernregeln waren noch nicht durch den Klimawandel durcheinandergewirbelt, sondern verlässlich – zumindest ab und an.

„März drocken, April nass, machd dem Bauer die Scheune voll unn’s Fass“, verspricht ein Spruch aus dem Südhessischen Wörterbuch. Einiges, das mit dem März zusammenhängt, scheint mittlerweile ein Relikt der Vergangenheit zu sein, beispielsweise das Wort „märzen“.

Was damit gemeint ist, erklärt unsere oft zitierte Frankfurter Leserin Hanni Schreiber. Sie erinnert sich daran, dass in ihrer Jugend „an einem schönen Tag im März die Schränke geöffnet wurden und alle Anzüge, Mäntel, Kleider ins Freie gehängt wurden. Damals gab es noch keine Materialien ’waschen, trocknen, anziehen’, und so wurden alle Kleidungsstücke geklopft, gebürstet und gründlich gelüftet.“

Andernorts war mit dem „Märzen“ generell der Frühjahrsputz gemeint. Häufig geschah das Großreinemachen der Wohnung um die Osterzeit und hieß daher „Osterbutz“. Putzen bedeutet nicht nur säubern und reinigen, sondern auch “(sich) schmücken“, manchmal in übertriebener Weise. Der Frankfurter sagt dann: „Der (oder die) is gebutzt wie en Pfingstochs.“

Leute, die „die Platt gebutzt hawwe“, haben höchstwahrscheinlich nicht den Fußboden gescheuert, sondern „sich dorch die Labbe gemacht“; sie machten sich aus dem Staub.

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80

(hpdie)

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