Hessisch für Anfänger

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Um Wörter zu bilden, bedienen wir uns manchmal ganz einfacher sprachlicher Muster. Bei „Habenichts“, „Möchtegern“, „Lebewohl“, „Taugenichts“ und „Tunichtgut“ greifen wir auf allgemein bekannte

Um Wörter zu bilden, bedienen wir uns manchmal ganz einfacher sprachlicher Muster. Bei „Habenichts“, „Möchtegern“, „Lebewohl“, „Taugenichts“ und „Tunichtgut“ greifen wir auf allgemein bekannte Tätigkeitswörter zurück, um einen neuen Begriff zu formen. Hier bedarf es keiner langwierigen sprachgeschichtlichen Erklärung, da jeder sofort erkennt, dass jemand nichts hat, etwas zu sein vorgibt oder nichts taugt.

In der Mundart funktioniert so etwas natürlich auch. Unsere Frankfurter Leserin Hanni Schreiber schickte uns das Wort „Dualles“, womit man jemanden bezeichnet, „der sich mit allem Möglichen beschäftigt“. Einen „Tu-alles“, der bereitwillig für jegliche Arbeiten oder Dienste zur Verfügung steht, kann man leicht ausnutzen. Das Hessen-Nassauische Wörterbuch hebt diese Bedeutung hervor: „den Dualles machen“. Aus lauter Gutmütigkeit lässt sich einer alles aufhalsen. Der Gefahr sollte der Betroffene dann rechtzeitig Einhalt gebieten: „Ich bin doch net eier Dualles!“

Die Redensart „de Batschgumbel mache“ drückte früher im Frankfurterischen das Ganze deftig-lautmalerisch aus („Batsch“ für Schlag, „Gumbel“ für Nase) und meinte „den Hanswurst machen“.

Einfalt und Willfährigkeit verbindet man auch mit dem Ausdruck „einem de Maschores mache“. Im Jiddischen bezeichnet „meschores“ den Knecht oder Diener. In den hessischen Mundarten reicht die Bedeutungsvielfalt von der dienstbeflissenen Arbeitskraft, einem einfältigen Menschen bis zum Possenreißer.

„Den Maschores spielen“ sagt man von einem, der überall und am besten vorne mit dabei sein will. Der „Owwermaschores“ kann der Ortsvorsteher, Vereinsvorsitzende, Oberkellner oder der Chef von irgendwas sein und soll verdeutlichen, dass sich hier die Beziehung Herr – Diener ins Gegenteil verkehrt hat.

(hpdie)

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