Hessisch für Anfänger

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„Dappefang“ heißt eine kleine, amüsante Geschichte in dem Bändchen „Alleweil rappelt’s am Scheierdoor“ von Hans Müller, verfasst in Erbacher Mundart.

„Dappefang“ heißt eine kleine, amüsante Geschichte in dem Bändchen „Alleweil rappelt’s am Scheierdoor“ von Hans Müller, verfasst in Erbacher Mundart. Eine Stammtischgesellschaft treibt ihren Schabernack mit einem auswärtigen, des Dialekts nicht mächtigen Gast. Die Scherzbolde beschwatzen ihn mit allerlei hanebüchenen Lügen zu einer mitternächtlichen Jagd auf „Dappen“ mittels Sack und Topfdeckeln.

Ironischerweise hat „Dappe“ („Dabbe“) durchaus einen Bezug zur Tierwelt; im Mittelhochdeutschen bezeichnete „tape“ die Tatze oder Pfote, später die Spur oder den auffälligen Fußabdruck. Das umgangssprachliche

„(herum)tappen)“ für gehen oder treten kommt daher.

Ein „Pitschedapper“ ist jemand, der gerne durch Pfützen stapft. Nicht die Füße, sondern die Hände sind im Spiel, wenn von „aadappe“ oder „Mach mer kei Dappe!“ die Rede ist. Fasst man Spiegeln oder empfindliche Oberflächen an, hinterlässt man unschöne Spuren. Wenn jemand etwas ungeschickt anpackt, etwas falsch oder kaputt macht, wird geschimpft : „Stell dich net so dabbisch aa!“

In der Mundart wirkt die Zurechtweisung dabei weniger schroff, meint unser Hattersheimer Leser Wolfgang Mohr, da „unser Dialekt oft viel versöhnlicher klingt als das Hochdeutsche. ,Dappisch’ oder ,dabbisch’ hört sich jedenfalls besser an als ,ungeschickt’ oder ,dilettantisch’“.

Wer sich dumm anstellt, in seiner Ungeschicklichkeit ins Fettnäpfchen tritt oder mit seiner ungelenken Art einem Elefanten im Porzellanladen ähnelt, ist ein „Dappes“ (Tollpatsch), was manchmal zu „Dolldabsch“ oder „Dabbdewidd“ abgewandelt wird. Im Frankfurterischen waren früher „Hans Dappes“, „Hansdappindieschissel“ oder „Dappschdrein“ gebräuchlich.

Der leichtgläubige „Dappes“ in unserem eingangs zitierten Geschichtchen fängt die „oohengliche, hoimattreie, awwer scheie Dierlen“ aus der „Kreizung zwische Feldhas un lepus cuniculus“ natürlich nicht, sondern reist am nächsten Morgen als der Gelackmeierte ab.

(hpdie)

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