Hessisch für Anfänger

Kassadegeherei

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Als Kind waren einem die von den Eltern aufgetragenen Einkäufe oft lästig. Daher versuchte man, die Auftragsgänge angenehmer zu gestalten, indem man nach dem Besuch beim Bäcker oder Metzger einen

Als Kind waren einem die von den Eltern aufgetragenen Einkäufe oft lästig. Daher versuchte man, die Auftragsgänge angenehmer zu gestalten, indem man nach dem Besuch beim Bäcker oder Metzger einen kleinen Umweg zur Entspannung oder eine Spielrunde mit anderen Kindern einlegte. Zu Hause kam die Bummelei allerdings nicht gut an.

Mundartlich passt dazu der Begriff „Kassade gehe“, auf den unsere Leserin Hanni Schreiber hinweist. Er bedeutet so viel wie sich herumdrücken und ist meist missbilligend gemeint. „Gassade“ oder „Kassade“ – mit Betonung auf der zweiten Silbe – ist bereits für das 17. Jahrhundert belegt. „Gassade mache“ oder „uff Gassade gehe“ steht im harmlosen Sinne zunächst für auf die Gasse gehen, bummeln oder spazieren gehen und wird in abschätzigen Bemerkungen laut Frankfurter Wörterbuch benutzt für das Umhergehen „bloß für sein Vergnügen und die Zeit vertrödelnd“.

Ihren sprachlichen Ursprung hat die „Kassadegeherei“ in der Sprache der Studenten, die das lateinische Wort „grassari“ (umherschwärmen) aufgriffen, wobei in Anlehnung an „Gasse“ schließlich das r als überflüssig empfunden wurde und wegfiel.

Eine nette Spielform des müßigen Umherschwärmens ist das eingangs angedeutete unnötige Herumtragen von Dingen. Man hört schon die Mutter das Kind ermahnen: „Awwer ich will de Worscht net Gassade getrage hawwe!“

„Hessisch für Anfänger“

Das Buch von Hans-Peter Dieterich, erschienen im Societäts-Verlag, 12,80

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