Hessisch für Anfänger

Schnepp

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„Die Freiheit hott schon halb die Krenk / Die anner Hälft steht uff der Schnepp / Drum uffgepaßt, denn sonst geht’s schepp.“ Die „Schnepp“ ist der Rand oder die Kante.

„Die Freiheit hott schon halb die Krenk / Die anner Hälft steht uff der Schnepp / Drum uffgepaßt, denn sonst geht’s schepp.“ Die „Schnepp“ ist der Rand oder die Kante. Ein Teller auf dem Tisch beispielsweise, der „ganz uff der Schnepp“ steht, droht bei Unachtsamkeit auf den Boden zu fallen. Für die Freiheit im Eingangszitat aus dem Frankfurter Wörterbuch bedeutet das, dass sie auf der Kippe steht und gefährdet ist. Die Wörter „Schnepp“ oder „Schnäpp“ hängen mit schnappen zusammen, was wir üblicherweise für ergreifen oder erhaschen verwenden.

Noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war „schnappen“ eine gebräuchliche Mundartbezeichnung für hinken. Ein Grund des humpelnden Gehens wird im Südhessischen Wörterbuch genannt: „Er schnabbt, weil er e bees Baa hodd.“ „Schnabbich“ hieß im Frankfurterischen der Mensch, der hinkt. Abfällige Bezeichnungen waren „Schnabbmichel“ oder „Schnabbhinkel.

Ein „Schnapper“ oder „Schnepper“ ist dagegen der Teil einer Tür, der ins Schloss fällt. Wenn ein Schloss eingeschnappt ist, funktioniert es korrekt. Bekanntlich kann auch eine Person „eigschnabbt“ sein, dann ist sie schnell beleidigt oder gekränkt.

„Hessisch für Anfänger“

Das Buch von Hans Peter Dieterich, erschienen im Societäts Verlag, 12,80

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