Hessisch für Anfänger

Schuggelcher

Wer „auf Schusters Rappen reist“, ist zu Fuß unterwegs, wobei die Rappen die Umschreibung für schwarze Schuhe sind. Als Mundartbezeichnungen für den Schuh findet man in Hessen außer der bekannten

Wer „auf Schusters Rappen reist“, ist zu Fuß unterwegs, wobei die Rappen die Umschreibung für schwarze Schuhe sind. Als Mundartbezeichnungen für den Schuh findet man in Hessen außer der bekannten Form unter anderem „Schuch“, „Schuuk“, „Schouh“ oder „Schauh“. Die Redensart „wo einem der Schuch drückt“ ist altbekannt. In dem Satz „Jetzt dricke de Martin schunn lang kaa Schuh mie“ gibt man zu verstehen, dass die Person schon lange tot ist.

Auch um eine Drohung zu unterstreichen, bietet sich die Fußbekleidung an: „Du kimmschd medd Schuh unn Strimp in die Hell (Hölle).“ Und zum Thema Heirat heißt es im Südhessischen Wörterbuch: „Wann mer jung eß, springd mer medd Schuh unn Strimp en die Eh.“

Reizvoll sind die mundartlichen Verkleinerungsformen wie „Schiggelcher“ oder „Schuggelcher“, manchmal mit spöttischem Unterton verwendet. Der Ausdruck „Bariser Schickelcher unn Orewäller (Odenwälder) Fieß“ macht sich über Frauen lustig, die trotz großer Füße schicke zierliche Schuhe tragen möchten.

Fantasie- und liebevoll werden oft Pflanzen benannt wie in dem folgenden Beispiel, das eine frühere Kollegin aus ihrer nassauischen Heimat kennt. „Schuggelcher un Strimbcher“ (Schühchen und Strümpfchen) ist dort die Dialektbezeichnung für Hornklee. Wer den Schmetterlingsblütler mit seinen gelben Dolden näher betrachtet, kann die Namensgebung gut nachvollziehen.

„Hessisch für Anfänger“

Das Buch von Hans Peter Dieterich, erschienen im Societäts Verlag, 12,80

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