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Der Schwippschwager aller Probleme: Ein satirischer Rückblick auf den September

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Sie haben ein Problem damit, dass der Sommer vorbei ist? Schieben Sie es nicht achtlos beiseite! Denn in diesem Monat ist endlich klar geworden: Auch Probleme haben Familien. Die meisten dachten bisher, das gelte nur umgekehrt.

Sie haben ein Problem damit, dass der Sommer vorbei ist? Schieben Sie es nicht achtlos beiseite! Denn in diesem Monat ist endlich klar geworden: Auch Probleme haben Familien. Die meisten dachten bisher, das gelte nur umgekehrt.

So erklärte Horst Seehofer (CSU) die Flüchtlingskrise zur „Mutter aller Probleme“. Ein klarer Seitenhieb auf die „Mutti voller Probleme“, die nach Abwahl von Volker Kauder ihre letzten Getreuen an einer Raute abzählen kann. Aber gerade Seehofer müsste wissen: Es kommt immer auch ganz entscheidend auf die Vaterschaft an – und da ist er ja selbst vielfältig engagiert.

Vielleicht ist die gesamteGroko  aber auch der Große Onkel aller Probleme, der immer irgendwo anstößt. Dabei hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Monat doch nur getan, was alle immer wollten: das Abschieben konsequent angewendet! So wurde der umstrittene Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen als Sonderberater ins Innenministerium abgeschoben, und das sogar ohne langes und kompliziertes Verfahren! Natürlich verbittet sich ausdrücklich jeder geschmacklose Vergleich mit dem Klinikum Oldenburg, das einst seinen Pfleger Niels H. nach auffällig vielen Todesfällen mit gutem Zeugnis nach Delmenhorst weglobte – gerade jetzt wurde wieder ein mutmaßliches Opfer exhumiert. Aber beides zeigt immerhin, wenn man positiv genug denkt: Der deutsche Arbeitsmarkt ist viel flexibler als sein Ruf.

Die kapriziöse Tante aller Probleme könnte die Autoindustrie sein. Leider reich und daher nicht entbehrlich, tanzt die Abgasskandalnudel Deutschland immer wieder auf der Nase herum und könnte nun auch Frankfurt ein Dieselfahrverbot bescheren. Bislang zeigte sie wenig Verantwortung, lenkte nun aber doch teilweise ein: Volkswagen will sich an Nachrüstungen von älteren Dieselautos finanziell beteiligen, zudem ist ein großes Umtauschprogramm geplant. Aber im Grunde denken die kapriziöse Tante und ihre Zwillingsschwester Tante Lobby vermutlich: Großstädter, die zusätzlich zu ihrer zentralen Lage noch ein- und ausatmen wollen, zeigen eine sehr überzogene Anspruchshaltung.

Urgroßvater aller Probleme aber ist zweifellos Ralph Siegel, dessen Berufsbezeichnung seit Jahren bei „Grand-Prix-Urgestein“ verharrt, obwohl der Gesangswettbewerb längst Eurovision Song Contest (ESC) heißt. Denn indem er Nicole 1982 in Harrogate mit „Ein bisschen Frieden“ zum Sieg führte, legte er möglicherweise den emotionalen Grundstein für den Brexit-Wunsch der Briten. Immerhin hat Siegel nun zum vierten Mal geheiratet – zum letzten Mal, wie er betont. Aber erfahrene ESC-Fans wissen: Siegel spricht sehr oft vom letzten Mal und tritt dann doch wieder an.

Was aber sind die ungezogenen Söhne aller Probleme? Natürlich die falschen Nachrichten, die Fake News. Und um sie auszubremsen, müssen einige nahe liegende Fehleinschätzungen hier schon mal entkräftet werden: Es gibt keine Umtauschprämie für Politiker! Das könnte ein wertvoller Hinweis in bayerischen und hessischen Wahlkampf-Zeiten  sowie im Umgang mit Angela Merkel sein.

Völlig unwahr ist auch, dass auf dem Oktoberfestals Kombination von „Maß“ und „Wiesn“ bereits die neue Bier-Einheit „ein Maaßen“ gilt  – als Bezeichnung für ein Getränk, das in ein anderes Gefäß umgeschüttet wird und dann mehr kostet. Aber wer seine Probleme hier oder anderswo in Alkohol ertränken will, scheitert ohnehin an deren familiärem Zusammenhalt. Denn Alkohol ist der Schwippschwager aller Probleme. Manche sagen zu diesem Phänomen allerdings abgekürzt nur „Schwips“.

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