Hessisch für Anfänger

Spille

Das Wort „chillen“ hat sich in der Sprache der jungen Leute für Erholung und Entspannung eingebürgert. Angesichts der derzeitigen Hitzewelle scheint das englische Ursprungswort „chill“

Das Wort „chillen“ hat sich in der Sprache der jungen Leute für Erholung und Entspannung eingebürgert. Angesichts der derzeitigen Hitzewelle scheint das englische Ursprungswort „chill“ (kalt, frostig) geradezu dazu aufzufordern, an einem kühlen Ort Entspannung zu suchen.

Das Wort „spille“ klingt ähnlich, stammt aber nicht aus dem Englischen, sondern aus der Mundart. Mit der Redewendung „spille gehe“ oder „spelle gehe“ drückt derjenige, der sie gebraucht, eine neben dem entspannenden Nichtstun ebenfalls beliebte Beschäftigung des Menschen aus, nämlich das lockere Plaudern und Schwätzen.

Wenn meine Großmutter nach getaner Arbeit, oft mit mir als kleinem Jungen im Schlepptau, noch eine kleine Nachbarschaftsrunde machte, dann entsprach das dem „Spillegehe“ oder dem, was das Hessen-Nassauische Wörterbuch sprachwissenschaftlich exakt als „freundnachbarschaftliche Besuche machen“ definiert.

Im Frankfurterischen gibt es den Begriff „Kassade (Gassade) mache“ (bummeln, aber auch: sich herumdrücken), den wir an dieser Stelle bereits vorstellten. In den ländlich geprägten Gegenden Hessens, wie beispielsweise in der Wetterau oder im Vogelsberg, ist „spille gehe“ gebräuchlich. Er stammt vom mittelhochdeutschen „spellen“ (schwätzen, erzählen) und erinnert an Zeiten, als man sich nach der Arbeit auf ein Schwätzchen traf.

Das sonntägliche Ausgehen war für die Frauen auch ein Grund, sich fein anziehen, wie es bei dem Wetterauer Heimatdichter Peter Geibel heißt: „Ean wann se Sonndoaks Spille giht, woas douth se sich do buotze.“

„Hessisch für Anfänger“

Das Buch von Hans Peter Dieterich, erschienen im Societäts Verlag, 12,80

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare