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Ständig bewerten

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Früher fühlten sich Menschen manchmal versehentlich wohl, wussten aber gar nicht, wie gut sie es hatten – auf einer Skala von eins bis zehn. Denn sie mussten es nicht bewerten.

Früher fühlten sich Menschen manchmal versehentlich wohl, wussten aber gar nicht, wie gut sie es hatten – auf einer Skala von eins bis zehn. Denn sie mussten es nicht bewerten.

Heute jedoch darf niemand ein Buch, einen Film oder einen Urlaub einfach genießen – ohne hinterher dafür Sterne zu vergeben oder in sonstiger Form seinen Senf dazuzugeben. Denn nur dann wissen schließlich die anderen, dass er das wirklich erlebt hat. Stiller Genuss allein dagegen ist hoch verdächtig. Würde Descartes heute leben, hieße seine Weisheit also nicht: „Ich denke, also bin ich“ (höchstens drei Sterne). Sondern „Ich bewerte, also bin ich“ (zehn Sterne).

Das bedeutet natürlich nicht, dass am ständigen Bewerten keine Kritik geübt werden darf. Es muss nur richtig geschehen. Nicht etwa mit sachlichen Argumenten oder stillem Unmut. Sondern dadurch, dass das Bewerten herabgestuft wird. Ungefähr auf eineinhalb Sterne.

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