Kolumne

Wussten Sie schon?

  • vonHans Peter Dieterich
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? wo der sogenannte "Jagdlandgraf" einst residierte?

 Ende des 16. Jahrhunderts ließ Landgraf Georg I. die neuerworbene Gutsanlage nordöstlich von Darmstadt zu einem dreiflügeligen Jagdschloss im Renaissancestil umbauen. Mehr als drei Jahrhunderte lang war Schloss Kranichstein Mittelpunkt der herrschaftlichen Jagd in der Landgrafschaft und später im Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Obgleich bereits der erste Schlossherr ein leidenschaftlicher Jäger war, nahm bei dem als „Jagdlandgrafen“ betitelten Ludwig VIII. (1691–1768) die Passion für die Jagd exzessive und teilweise skurrile Formen an. Ludwig regierte mehr von Kranichstein als von seiner Residenzstadt Darmstadt aus, um nach gräflichem Belieben die Staatsgeschäfte für ein weidmännisches Abenteuer unterbrechen zu können. Seine Jäger wurden mit eigens geprägten „Hirschgulden“ und „Saudukaten“ belohnt, und für exklusive Ausfahrten ließ er weiße Hirsche vor seine Kutsche spannen.

Ludwigs Vater hatte die Parforcejagd eingeführt. Bei dieser Hetzjagd zu Pferde und mit einer Hundemeute wurde ein einzelner Hirsch oder ein Wildschwein bis zur Ermattung gejagt.

Die geraden Wege waren nicht fürs Spazierengehen gedacht, sondern für die Jagd angelegte Schneisen. Damit die adlige Gesellschaft das Schauspiel gut verfolgen konnte, hatte der Landgraf auf der Parkseite des Schlosses ein Rondell anbauen lassen, auf das die Schneisen zuführten.

Für die Nachfolger im 19. Jahrhundert verlor das Jagdvergnügen seinen Reiz; Schloss Kranichstein wurde stattdessen für den angenehmen Sommeraufenthalt in naturnaher Umgebung geschätzt. Wer heute in die Welt der höfischen Jagd eintauchen möchte, kann dies anhand der großen Waffensammlung und der beeindruckenden Galerie von Hirschtrophäen tun. Imposant ist das 112 Meter lange ehemalige Jagdzeughaus, das seit 2008 unter anderem das „bioversum“, das Museum biologischer Vielfalt, beherbergt.

(hpdie)

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