40 Jahre "Dallas"
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Patrick Duffy (l), Linda Gray (m.) und Larry Hagman bei der Verleihung der 18. Screen Actors Guild Awards 2012.

Amerikas letzte Ölung

40 Jahre „Dallas“ im deutschen Fernsehen

„Hehehehehehe“ - das Lachen des Fieslings J.R. haben viele Menschen noch heute im Ohr: „Dallas“ zeigte eine Welt weißer, reicher Männer in einer Zeit, als fossile Brennstoffe noch als unschuldig galten.

Berlin - Vor vielen Jahren, an einem Dienstag im April, erleben Millionen Zuschauer einen eigenartigen Fernsehabend. Erst begrüßt sie um 20 Uhr „Tagesschau“-Sprecherin Daniela Witte freundlich mit den Worten: „Im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl ist es offenbar zu dem gefürchteten GAU gekommen, dem größten anzunehmenden Unfall.“

Gut zwei Stunden später stirbt auf demselben Sender in der Serie „Dallas“ auch noch Bobby Ewing bei einem Autounfall. Der Öl-Erbe, gespielt von Patrick Duffy, ist den Fans der US-Seifenoper seit 1981 sehr ans Herz gewachsen. Am 30. Juni jährt sich zum 40. Mal die Erstausstrahlung des Serien-Dauerbrenners in Deutschland.

Kampf um Öl, Macht und Geld

Bis zum Jahr 1991 verfolgen „Dallas“-Fans die Intrigen, Possen und Tragödien der texanischen Familie Ewing, die im Dauerclinch mit dem Barnes-Clan liegt. Lauter weiße Männer mit Westernstiefeln und Cowboyhüten im Kampf um Öl, Macht, Geld und hübsche Frauen.

Öl ist in den 80ern noch ein unschuldiger Energieträger. Klimakrise, Meeresspiegel, Treibhauseffekt - alles für die breite Öffentlichkeit kein Thema. Man labt sich lieber am Luxusleben der Ewings, der weißen Southfork-Ranch, dem Swimmingpool, den Luxusautos. Man kann „Dallas“ auch als letztes Aufbäumen jener sehen, die Öl als Segen betrachten.

„Die Serie ist aus heutiger Sicht ein televisionärer Abgesang auf die Old Economy, aber auch die traditionelle Familie“, erläutert Fernsehforscherin Prof. Dr. Joan Kristin Bleicher. „Da gab es noch Old-Style-Firmenbosse, die sich gegenseitig bekämpften und mit ihrem Reichtum protzten. Zuhause wartete die Ehefrau mit dem Whisky.“ Von der sanften Miss Ellie bis zur zickigen Lucy - die Frauenfiguren blieben blass, da mochte die texanische Sonne noch so sehr knallen.

Der größte Schurke der Welt

Größter Strippenzieher der CBS-Serie ist Ölmagnat J.R. Ewing, eine Zeit lang der bekannteste Fiesling der Welt. J.R. treibt seine Frau Sue Ellen (Linda Gray) mit Seitensprüngen und seelischer Grausamkeit immer tiefer in die Alkoholsucht und scheut im Kampf gegen seine Widersacher nahezu vor nichts zurück. J.R.-Darsteller Larry Hagman sagte im dpa-Interview einmal über diese Rolle: „Er ist einzigartig. Ich denke, dass jeder Mensch auf der Welt - Afrikaner, Südamerikaner, Russe oder Chinese - jemanden wie J.R. in der Familie hat. Jeder kann sich damit identifizieren und sagen: Ich kenne diesen Typen.“

Wissenschaftlerin Bleicher erinnert in dem Kontext an den Slogan der „Dallas“-Fangemeinde: "We love to hate J.R."“ (also „Wir lieben es, J.R. zu hassen.“) Sie sieht noch heute Schurkenpotenzial in ihm: „Dank #metoo hat sich sein Hasspotenzial ja eher gesteigert.“

Hagman (1931-2012) wirkte so authentisch auf die Zuschauer, dass ihm einmal eine alte Dame in einem Hotel in Dallas ihre Handtasche so heftig ins Gesicht pfefferte, dass er vom Stuhl gerissen wurde. „Ich habe Sterne gesehen. Sie hat gesagt: "Du Ratte, wie kannst Du Sue Ellen nur so behandeln?" Dann hat sie sich aber entschuldigt, weil sie vergessen hatte, dass sie die Waffe ihres verstorbenen Mannes in der Tasche hatte. Sie hat mich also härter getroffen als sie wollte.“

Die Auferstehung des Bobby Ewing

Apropos Attacken, zurück zum überfahrenen Bobby. Was dieser Szene folgte, war eine der größten Unverschämtheiten gegenüber dem Publikum in der gesamten Fernsehgeschichte. Bobby stirbt zum Ende der achten Staffel in Episode 191. Er wird auch betrauert und begraben, ist aber in Folge 222 plötzlich wieder am Leben. Seine Frau Pamela (Victoria Principal) betritt das Bad und ist völlig konsterniert: Bobby steht da unter der Dusche. Angeblich hat sie die ganze Handlung der neunten Staffel nur geträumt. Wer die 80er Jahre bewusst erlebt hat, ärgert sich zuweilen noch heute über die verschwendete Lebenszeit, die man mit dieser „Traumstaffel“ verbracht hat. Das man heute noch daran denkt, zeigt aber auch, wie viel Einfluss „Dallas“ hatte. Traurig, dass der GAU von Tschernobyl nicht auch rückgängig zu machen war. dpa

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