Ausstellung in Freiburg

Adel von der schönsten Seite

Im Augustinermuseum der Stadt ist zu sehen, wie der Bauernsohn aus dem Schwarzwald die hohen Herrschaften des 19. Jahrhunderts ins rechte Bild rückte.

Von VEIT-MARIO THIEDE

Der Bauernsohn Franz Xaver Winterhalter (1805–1873) aus Menzenschwand im Hochschwarzwald machte eine ganz erstaunliche Karriere als Porträtmaler mit

Wohnsitz in Paris

. Niemand war begehrter, wenn es darum ging, den europäischen Hochadel ins rechte Licht zu setzen. Zu seinen Auftraggeberinnen zählten Königin Victoria von England, die Kaiserinnen Eugénie von Frankreich und Elisabeth von Österreich sowie Zarin Maria Alexandrowna von Russland. Ihre Bildnisse gehören zu den Glanzlichtern der ersten großen Ausstellung, die Winterhalter nun in Deutschland gewidmet ist. Mehr als 100 Bilder sind im Freiburger Augustinermuseum zu sehen, außerdem Kostüme, wie sie die von Winterhalter porträtierten Damen trugen.

Nach einer Lithografenlehre in Freiburg sowie Studienaufenthalten in München und Rom ließ sich Winterhalter 1834 in Paris nieder. Dort bedachte ihn König Louis-Philippe mit zahlreichen Porträtaufträgen. Um die bewältigen zu können, engagierte Winterhalter seinen Bruder Hermann Fidel (1808–1891) als Mitarbeiter. Das war der Beginn einer lebenslangen Partnerschaft. Während Franz Xaver auf Dienstreisen war, führte sein jüngerer Bruder mit mehreren Assistenten die Geschäfte in Paris, fertigte Ölkopien und Reproduktionsgrafiken nachgefragter Porträts.

Auf Einladung Königin Victorias weilte Winterhalter 1842 erstmals am Englischen Hof, um die Monarchin und ihren Gatten zu porträtieren. Das damals entstandene Bildnispaar ist in Freiburg ausgestellt. Königin Victoria und ihr Prinzgemahl Albert fühlten sich auf diesen repräsentativen Porträts, die dezent auf ihr Eheglück hinweisen, bestens in Szene gesetzt. Daher bestellte die Königin den von ihr als charmant, bescheiden und interessant bezeichneten Mann in den nächsten 20 Jahren mit schöner Regelmäßigkeit zu mehrwöchigen Aufenthalten nach England. Er führte an die 120 Bildnisse des Königspaares und von dessen Kindern aus. Besonders anziehend ist sein ovales Bildnis von Königin Victoria, das die resolute Herrscherin als verführerische junge Dame zeigt. Das offene Haar fällt über die nackte linke Schulter hinab. Ihre zur Seite gewendeten großen Augen werfen einen sehnsüchtigen Blick. Wem soll der wohl gelten? Das 1843 angefertigte Porträt war ein Überraschungsgeschenk zum Geburtstag ihres Mannes.

Winterhalters Porträts von Männern wirken stets etwas steif und langweilig, etwa die Staatsgemälde von Kaiser Napoleon III. (1860) oder Kaiser Franz Joseph (1865). Seine Glanzleistungen vollbrachte der Junggeselle als Frauenmaler, indem er seine Modelle leicht idealisiert von ihrer schönsten Seite zeigt. Kleidung und Schmuck bringen die Eleganz der Frauen zur Geltung und zeigen ihren gesellschaftlichen Stand an. So umschmeichelt in Winterhalters Bruststück der „Kaiserin Eugénie von Frankreich“ (1864) mildes Licht ihr Gesicht und Dekolleté. Im Haar funkelt ein Diamant. Sie trägt unter dem Umhang mit Hermelinbesatz eine Abendkorsage aus cremefarbener Seide. So stellt eine Kaiserin mit stilvoller Gelassenheit sowohl ihren hohen Stand, als auch ihre Schönheit zur Schau.

Kuratorin Mirja Straub weist darauf hin, dass Winterhalter etwas ganz besonders gut beherrschte: „feine Stoffe, leuchtende Seide, luftigen Tüll, zarte Spitze und schimmernde Perlen auf die Leinwand zu bannen“. Außerdem hatte er ein Gespür für die „richtige“ Pose. Das zeigen gerade die beiden wohl schönsten Gemälde der Schau. In ungewöhnlich lässiger Haltung, die verführerisch wirkt und doch Respekt einfordert, präsentiert sich „Prinzessin Anna von Hessen“ (1858). Ein durchsichtiger Tüllschleier umspielt das rosafarbene Kleid der Gemahlin des Prinzen Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel. Eine mehrlagige Perlenkette schmückt ihre Dekolleté. Leicht nach vorn gebeugt, hat sie die Unterarme auf eine goldene Polsterlehne gestützt, während sie aufmerksam aus dem Bild blickt. Bezaubernder ist nur der Auftritt der bis heute als „Sissi“ verehrten Kaiserin Elisabeth von Österreich. Mit seinem Ganzfigurenporträt von 1865, das in Freiburg durch eine 1867 angefertigte Kopie vertreten wird, hat Winterhalter die allgemeine Vorstellung von der außerordentlichen Schönheit der Kaiserin geprägt. Der Maler hat sein Modell prachtvoll herausgeputzt ins Rampenlicht gestellt. Im Haar trägt Elisabeth Diamanten in Form von Edelweißblüten. Ihr stoffreiches weißes Kleid ist mit einem weißen Schleier überzogen, an dem Silberflitter funkelt. „Sisi“ präsentiert ihren Körper in Seitenansicht, hat aber das Gesicht über die nackte linke Schulter den Bildbetrachtern zugewendet. Doch ihr Blick und ihr Lächeln gelten dem fernen Unbekannten. So sieht verführerische Unnahbarkeit aus.

Mit dem Untergang des Zweiten Kaiserreichs im Deutsch-Französischen Krieg verließen die Brüder Winterhalter 1870 Paris und siedelten sich in Karlsruhe an. Oft hielt sich Franz Xaver Winterhalter bei der in Frankfurt ansässigen Familie von Metzler auf. Eines seiner letzten Gemälde zeigt „Sascha von Metzler“ (1872). Es zeichnet sich durch eine kontraststarke Lichtregie aus. Die erzeugt eine Alarmstimmung, die nicht recht zum freundlichen Gesichtsausdruck der 20 Jahre alten Bankierstochter passen will. Auffallenderweise trägt sie keinerlei Schmuck. Winterhalter war mit Saschas Vater Wilhelm Peter von Metzler befreundet, dessen Bankhaus sein Vermögen verwaltete. Während eines Aufenthalts bei der Bankiersfamilie verstarb Winterhalter 1873 an Typhus.

Sein Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Testamentarisch vermachte Winterhalter seinem Heimatort Menzenschwand eine Stiftung von 50 000 Franken zur Unterstützung hilfsbedürftiger Armer und Förderung Jugendlicher, „die nützliche Handwerke, Künste oder Wissenschaften erlernen wollen“. Die europaweit erfolgreichen Brüder Winterhalter hatten zeitlebens eine enge Bindung an Menzenschwand und die dort regelmäßig besuchte Familie gepflegt.

Finanzielle Zuwendungen gewährten sie sowohl den Angehörigen als auch der Gemeinde, der sie das neben ihrem Geburtshaus stehende Rathaus spendierten. In ihm ist heute das „Petit Salon“ genannte Winterhalter-Museum untergebracht. Die Dauerschau präsentiert Zeichnungen und Druckgrafiken, Briefe und Gegenstände aus dem persönlichen Besitz der Brüder, darunter Franz Xavers Offiziersuniform der Ehrenlegion, in die ihn der französische König Louis-Philippe berufen hatte.

Augustinermuseum, Augustinerplatz, Freiburg im Breisgau. Bis 20. März, Di bis So 10–17 Uhr. Eintritt 7 Euro, Katalog 29,80 Euro. Telefon (0761) 20 12 531. Internet . Le Petit Salon, Winterhalter-Museum, Altes Rathaus, Hinterdorfstraße 15, Menzenschwand. Mi bis So 14.30–17 Uhr. Eintritt 3 Euro. Telefon (07675) 92 96 988. Internet

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