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Catrin Altenbrandt und Adrian Nießle, beide 39, haben an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung studiert.

Designbüro Pixelgarten

Alles beginnt mit einem weißen Blatt

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region voller kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler vom Büro Pixelgarten.

Auch Designer kennen die Angst vor dem weißen Blatt. „Das Schlimmste ist, wenn man alle Freiheiten hat“, sagt Catrin Altenbrandt. Damit meint sie Gestaltungsaufträge, bei denen der Kunde keine Vorgaben macht. Wie man trotzdem gute Ideen entwickelt, weiß Altenbrandt aus zehnjähriger Erfahrung. Mit ihrem Kommilitonen Adrian Nießler gründete sie 2007 das Designbüro Pixelgarten. „Vom Gefühl her haben wir schon selbstständig gearbeitet“, erinnert sich Nießler an die Studienzeit in Offenbach. Damals etablierten Altenbrandt und Nießler eine Mischform von Fotografie und Illustration. Sie bauten beiläufig und verspielt wirkende Anordnungen im Raum und fotografierten sie anschließend.

Heute gestalten sie

Bücher und Magazine

, aber auch Ausstellungen. Zu den Kunden zählen unter anderem das Frankfurter Atelierhaus „basis“, die BHF Bank Stiftung und der Möbelhersteller „Stattmann Neue Moebel“. Schnittstellen zu anderen gestalterischen Disziplinen finden Altenbrandt und Nießler „spannend“. Mit einem Architekturbüro arbeiten sie gerade an einem Hotelprojekt. Sie sind zudem an der Entwicklung eines „interaktiven Lernlabors“ für die Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank beteiligt. Es soll im Sommer 2018 eröffnen. Pixelgarten kooperiert dabei mit den Ausstellungsgestaltern Sabine Gutjahr und Katja Kirchhoff sowie mit dem Designbüro Meso. Ziel des Projekts sei „spielerische Wissensvermittlung“, erläutert Catrin Altenbrandt.

Mit dem neuen Lernangebot möchte die Bildungsstätte Jugendliche auf Augenhöhe ansprechen und ihren Alltag einbeziehen. „Wir nehmen die Geschichte von Anne Frank als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung in Vergangenheit und Gegenwart“, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte, bei der Vorstellung des Konzepts im vergangenen Jahr. Altenbrandt und Nießler erarbeiten dafür eine Ausstellungsgrafik, die analoge und digitale Elemente mit interaktiven Werkzeugen verbindet. Unterstützt werden sie von mehreren freien Mitarbeitern. Beheimatet ist Pixelgarten in der Büro- und Ateliergemeinschaft Teefabrik Studios im Frankfurter Stadtteil Gallus. Tür an Tür arbeiten dort Designer, Künstler und Filmschaffende.

An einem winterlichen Montagvormittag gewähren Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler einen Einblick in ihr hell ausgeleuchtetes, großzügiges Büro. Leise Musik dringt durch den Raum, mehrere Regale sind mit Büchern und Material gefüllt, an der Wand stehen Fahrräder. Die Mitarbeiter sind in Arbeit am Computer vertieft, die Atmosphäre ist konzentriert und dennoch locker. Altenbrandt und Nießler, beide 39 Jahre alt, erweisen sich als unkomplizierte und reflektierte Gesprächspartner. Ihr Arbeitstag beginne morgens zwischen neun und halb zehn, erzählen sie: „Je nachdem, wie reibungslos wir die Kinder in Kita und Kindergarten bringen.“ Um zehn kommen die Mitarbeiter hinzu, die anstehenden Aufgaben werden besprochen.

Was über den Tag verteilt folgt, bezeichnen Altenbrandt und Nießler als „normale Büroabläufe“. Denn auch Kreativität muss organisiert und koordiniert werden. Beim gemeinsamen Mittagessen am großen Esstisch besteht Gelegenheit zum Austausch mit Kollegen aus den angrenzenden Ateliers. Während die freien Pixelgarten-Mitarbeiter um 18 Uhr gehen dürfen, haben Altenbrandt und Nießler keinen festen Feierabend. Nach sechs beginne vielmehr „die Spielzeit“, sagt Adrian Nießler. Wenn das Telefon nicht mehr klingelt und keine Mails mehr eintreffen, „hat man Ruhe, Sachen auszuprobieren und Entwürfe zu machen“, erzählt Nießler.

Gemeint sind auch Entwürfe, die mit dem eingangs erwähnten weißen Blatt beginnen. In solchen Fällen sei es wichtig, sich eigene Regeln zu setzen, „einen Startpunkt zu finden“, erklären Altenbrandt und Nießler. Über einen neuen Auftrag und dessen Thema nachzudenken, sei „der schönste Teil“ im Entwurfsprozess. „Ziemlich harte Arbeit“ sieht Nießler in der Suche nach einer umsetzbaren Idee. Altenbrandt spricht zudem von „Reibung“ mit dem Kunden. Manchmal dauere es lange, bis man versteht, was er eigentlich möchte.

Frankfurts zentrale Lage hilft Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler, den Kontakt zu ihren überregionalen Auftraggebern aufrechtzuerhalten: „Jeder Kunde ist irgendwann hier.“ Mit dem Standort zeigen sie sich „ziemlich zufrieden“. Die Designlandschaft werde immer besser, sagt Altenbrandt. Immer mehr Büros ließen sich in Frankfurt nieder. Die kompakte Größe ihres Unternehmens wollen Altenbrandt und Nießler auch in Zukunft beibehalten, um den gestalterischen Anteil ihrer Arbeit nicht aufgeben zu müssen. Einem allzu detaillierten Ausblick auf die kommenden Jahre erteilt Adrian Nießler eine Absage: „Wir hatten nie einen klaren Plan.“ Catrin Altenbrandt fügt zuversichtlich hinzu: „Es ergibt sich immer gut“.

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