Bobby Fischer (Tobey Maguire) überlegt seinen nächsten Schachzug. Er steht unter Erfolgsdruck. Denn als Teilnehmer der Weltmeisterschaft will er nicht nur seinen russischen Spielgegner besiegen, sondern auch den USA einen Triumph über die UdSSR verschaffen.
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Bobby Fischer (Tobey Maguire) überlegt seinen nächsten Schachzug. Er steht unter Erfolgsdruck. Denn als Teilnehmer der Weltmeisterschaft will er nicht nur seinen russischen Spielgegner besiegen, sondern auch den USA einen Triumph über die UdSSR verschaffen.

"Bauernopfer"

Amerika tritt gegen Russland an

  • VonMartin Schwickert
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Das Genie des königlichen Spiels setzte 1972 bei der entscheidenden Partie vor den Augen der Fernsehwelt die ganze UdSSR matt.

Die Schlachten des Kalten Krieges wurden nicht nur auf Kuba, in Vietnam oder im Weltraum geschlagen, sondern vor allem auch im Sport. Bei Olympiaden und Weltmeisterschaften setzten gut geschulte sowjetische Sportkader alles daran, die Überlegenheit des Kommunismus zu demonstrieren. Besonders auf dem Schachbrett machten die russischen Spieler ihre Ansprüche auf Vorherrschaft geltend – bis 1972 der amerikanische Schachspieler Bobby Fischer in einem mehrtägigen Turnier den damaligen sowjetischen Weltmeister Boris Spassky besiegte. Die Begegnung wurde auf der ganzen Welt im Fernsehen ausgestrahlt und zählt bis heute zu den spannendsten Partien der Schach-Geschichte. Nicht nur, weil hier die Repräsentanten zweier feindlich gesonnener Systeme gegeneinander antraten, sondern auch, weil Fischer sich wie ein Hysteriker aufführte und kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand.

Verfolgungswahn und Zusammenbruch

Edward Zwicks Film „Bauernopfer“, der sich mit dem Leben und der von Verfolgungswahn beherrschten Persönlichkeit des genialen Schachspielers auseinandersetzt, zeigt zu Beginn, wie Bobby Fischer (Tobey Maguire) auf dem Höhepunkt seiner Karriere zusammenbricht, in einem Anfall von Paranoia sein Hotelzimmer auf der Suche nach russischen Abhörgeräten auseinandernimmt und zum Spiel nicht erscheint. Dann spult der Film zurück in die Kindheit des Protagonisten und verfolgt dessen steilen Aufstieg. Die Mutter ist als jüdische Einwanderin nach Amerika gekommen und wird wegen ihrer kommunistischen Gesinnung vom FBI überwacht. Mit den schwarzen Männern draußen vor der Tür wird schon in frühester Kindheit das Gefühl der Ausspähung angelegt, und im schwierigen Verhältnis zur Mutter zeigt sich die Ursache für einen kruden Antisemitismus. Vor der bedrohlichen Atmosphäre seiner Kindheit flüchtet sich der Junge ins Schachspiel, besiegt schon mit sechs Jahren örtliche Meister und hat mit zwölf Weltniveau erreicht. Sein größtes Ziel ist es jedoch, „die Russen“ zu besiegen, die ihn allerdings bei der Schach-Olympiade mit ihren Mannschaftsstrategien auflaufen lassen. Aber dann klopft Paul Marshall (Michael Stuhlbarg) an seine Tür, ein Musik-Manager mit patriotischer Gesinnung und finanziellen Einnahmen zweifelhafter Herkunft, und nimmt Bobbys Karriere in die Hand. Aber je näher Fischer seinem Weltmeistertitel kommt, desto stärker werden seine Wahnvorstellungen und Versagensängste. Zwick und seinem versierten Drehbuchautoren Stephen Knight („No turning back“) gelingt es, das wenig kinogerechte Sujet des Schachsports in einen spannenden Thriller zu verwandeln, der von der wahnhaften Persönlichkeit Fischers angetrieben wird. Maguire befreit sich hier endlich vollständig von seinem gutmütigen Peter-Parker-Image und entwirft ein faszinierendes Porträt des zerbrechlichen Genies, dessen psychische Verfassung auch die paranoide Grundstimmung des Kalten Krieges widerspiegelt. Als souveräner Widersacher überzeugt erneut der fabelhafte Liev Schreiber, der kürzlich erst in „Spotlight“ als unbestechlicher Chefredakteur glänzte. Den Kerl möchte man endlich mal wieder in einer Hauptrolle sehen. Herausragend

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