Der Gott des Gemetzels

Am Anfang des Streits bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen steht nur eine Kleinigkeit

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Regisseur Ulrich Cyran bringt Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ bei den Bad Vilbeler Burgfestspielen in den Theaterkeller.

Eigentlich sind sie zusammengekommen, um einen unschönen Vorfall vernünftig miteinander zu klären: Véronique und Michel Houillé (Susanne Buchenberger, Mathias Kopetzki), deren Sohn Bruno zwei Zähne ausgeschlagen wurden, sowie Annette und Alain Reille (Marianne Thies und Harald Schwaiger), deren Sprössling Ferdinand dafür verantwortlich ist. Doch trotz aller Vorsätze bleibt es nicht lange friedlich zwischen den beiden Ehepaaren. Der „Gott des Gemetzels“, wie das 2006 uraufgeführte Stück der französischen Autorin Yasmina Reza in der deutschen Übersetzung von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel auch heißt, wird wieder zuschlagen und obsiegen.

Spätestens seit der prominent besetzten Verfilmung von Regisseur Roman Polanski vor sieben Jahren ist das Kammerspiel über den Zwist zweier Familien aus der gehobenen Mittelschicht weltbekannt. Doch gerade im deutschsprachigen Raum war es schon vorher oft zu sehen und erfolgreich. Ulrich Cyran hat es nun für die Burgfestspiele Bad Vilbel inszeniert und ist dafür mit seinem Ensemble in den Keller der Anlage gegangen.

Das Bühnenbild unterhalb des Gewölbes hat Dorothea Mines minimalistisch dekoriert. Nicht nur die Rückwand ist aus lauter verschieden großen Quadraten zusammengesetzt, hinter denen Schemen gerade noch erkennbar bleiben; die Wohnzimmerausstattung im Hause Houillé besteht aus einem einfachen kastenförmigen Tisch und zwei treppenartigen Sitzgelegenheiten, die alles andere als gemütlich aussehen.

Kaum etwas könnte also auf den ersten Blick hin von den immer hitzigeren Wortgefechten ablenken, die sich zwischen den Parteien entwickeln. Dabei sind diese nicht immer gleich besetzt, die Allianzen verschieben sich. Mal halten die jeweiligen Partner zusammen, dann wieder verbünden sich die Männer gegen die Frauen.

Die Wechselspiele werden von den Schauspielern durch deutliche Körpersprache unterstrichen. Einmal schmiegt sich das Quartett fast zärtlich auf den puristischen Stufen aneinander. Das wirkt befremdlich und allzu sehr theatralisch. An die in der Ausstattung zur Schau gestellte Nüchternheit anzuknüpfen, hätte hier sicher wohler getan.

Immerhin: Die Wutausbrüche von Gastgeber Houillé sorgen für zusätzliche Komik. Man muss fast ein bisschen Angst um dessen temperamentvollen Darsteller haben, wenn sein Gesicht so rot anläuft wie sein kariertes, die Einfachheit des Eisenwarengroßhändlers und damit den Kontrast zum smarten Anwalt Reille betonendes Hemd.

Doch insgesamt wird vor allem die physische Aufgeregtheit ungeschickt eingesetzt. Dort, wo sie der Sache, also dem Anheizen der Konflikte, dienlich wäre, etwa bei den Dauertelefonaten des unhöflichen Juristen, wird sie nicht bis zum Anschlag hochgedreht. An anderen Stellen nimmt das Herumhüpfen der Protagonisten dem ausgeklügelten Text etwas von seiner Wirkung. Ganz am Ende muss man sogar kurz darum fürchten, dass das Ganze völlig aus dem Ruder läuft. Denn mangels eines besseren Schlusses – der Film hat diesen mit den längst versöhnten Söhnen eigentlich vorgemacht –, hampeln plötzlich alle wie wild auf kleinstem Raum herum.

Glücklicherweise geht jedoch kurz darauf das Licht aus. Alles andere hätte dem insgesamt durchaus vergnüglichen Abend sonst ein schreckliches Finale beschert.

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