Die Assmanns

Das Ehepaar Assmann ist seit Jahrzehnten nicht nur miteinander verheiratet, sondern auch eine Arbeitsgemeinschaft. Jan Assmann (80) und seine Frau Aleida (71) haben sich mit der Erforschung der Erinnerungskultur

Das Ehepaar Assmann ist seit Jahrzehnten nicht nur miteinander verheiratet, sondern auch eine Arbeitsgemeinschaft. Jan Assmann (80) und seine Frau Aleida (71) haben sich mit der Erforschung der Erinnerungskultur über Deutschland hinaus einen Namen gemacht. Dabei haben die alten Ägypter mit ihrem Totenkult wertvolle Hinweise geliefert. Die Hochkultur am Nil schuf einst monumentale Denkmäler gegen das Vergessen.

Die beiden Gelehrten, die heute in Berlin leben, gehören international zu den bekanntesten deutschen Geisteswissenschaftlern. Das Paar hat laut Urteilsbegründung der Friedenspreisrichter ein zweistimmiges Werk geschaffen, „das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist“. Aleida Assmanns Arbeiten zum kulturellen Gedächtnis ist es mitzuverdanken, dass Deutschland heute eine Erinnerungskultur hat, die weltweit als beispielhaft gilt. Dies versteht die Literaturwissenschaftlerin auch als Antwort auf den Holocaust. Nach dem „Historikerstreit“ von 1986, bei dem es um die Frage der Einzigartigkeit des Genozids an den Juden ging, hat sich das Ehepaar maßgeblich für den Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin eingesetzt.

Angesichts der Flüchtlingsdebatte plädiert Aleida Assmann in ihrem jüngsten Buch „Menschenrechte und Menschenpflichten“ (2017) für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Darin müssten die Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sein.

Jan Assmann hat mit seinen religionswissenschaftlichen Arbeiten und Büchern und seinen Thesen zum Monotheismus für Furore gesorgt. Dessen Anfänge sieht er im Auszug der Israeliten unter Moses aus Ägypten. Damit sei in der Religion die Unterscheidung von „wahr“ und „falsch“ in die Welt gekommen – mit fatalen Folgen vor allem später im Christentum und im Islam.

(red)

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