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Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) wird erpresst.

Thriller „Steig. Nicht. Aus.“

Im Auto befindet sich eine Bombe

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Regisseur Christian Alvart verlegt seine Neufassung des Films „Anrufer unbekannt“ nach Berlin und fasst sie in äußerst wirkungsvolle Großstadtbilder.

Der 15. Hochzeitstag ist ein besonderer Tag. Deshalb besorgt Karl Berndt (Wotan Wilke Möhring) noch schnell ein Geschenk für seine Frau Simone (Christine Paul). Sie hatte den Immobilienunternehmer nicht so früh am Morgen von seiner Geschäftsreise zurück erwartet. Den Hochzeitstag hat sie vergessen. Es kriselt in der Ehe. Kurzentschlossen nimmt Karl die gemeinsamen Kinder Josephine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma), um sie zur Schule zu fahren. Kurz nach der Abfahrt klingelt ein fremdes Handy im Handschuhfach. Ein unbekannter Anrufer (Marc Hosemann) meldet sich. Im Auto sei eine Bombe. Sie explodiere, wenn jemand aussteigt. Falls Karl mit seinen Kindern lebend den Wagen verlassen will, müsse er dem Fremden eine hohe Summe auf ein Konto überweisen.

Wie ernst es dem Erpresser ist, zeigt sich bei einem plötzlichen Akt der Gewalt, bei dem Karls Sohn Marius so schwer verletzt wird, dass er eiligst in ein Krankenhaus gebracht werden müsste. Jetzt läuft die Uhr um ein Vielfaches schneller. Karl versucht, alle nur möglichen Geldquellen anzuzapfen. Auch seine Frau bittet der Verzweifelte um Hilfe. Doch die glaubt, dass er die gemeinsamen Kinder entführt hat und alarmiert die Polizei. Kurz danach ist Karl eingekesselt von Polizisten. Man ist entschlossen, zu handeln.

Neu ist diese Geschichte nicht. Frei nach dem spanischen Thriller „Anrufer unbekannt“ (2015) hat sie der Regisseur und Autor Christian Alvart nach Berlin verlegt. In der Tat ist ihm dieses heikle Unternehmen gelungen. Er verliert in seinem Film nicht viel Zeit bei der Einführung seiner Figuren. Das mag zunächst verstören. Aber letztlich erfährt man über seine zentrale Figur Karl während vieler Telefonate, die er mit dem Erpresser, seinen Geschäftspartnern und seiner Frau führt, einiges, das Karl interessant, aber nicht unbedingt grundsympathisch erscheinen lässt. Wotan Wilke Möhring lässt den Unternehmer in seiner brillanten Darstellung nämlich nicht als eindeutige Opferfigur erscheinen.

Dass der Zuschauer im Kino auf ein gutes Ende hofft, liegt somit mehr daran, dass er Mitgefühl für Karls Kinder entwickeln kann. Wobei gerade Emily Kusche in der Rolle der eigensinnigen Tochter Josephine große Glaubwürdigkeit beweist. Zudem vermag es Hanna Herzsprung als Bombenexpertin Pia Zach, in dem von Männern dominierten Geschehen einige reizvolle weibliche Akzente zu setzen, welche die Spannung in „Steig. Nicht. Aus!“ aufrechterhalten. Erst durch die soliden schauspielerischen Leistungen können die ungemein packenden Bilder des Kameramanns Christoph Kraus ihre Schlagkraft entfalten, äußerst effektvoll geschnitten von den Cuttern Marc Hofmeister und Theo Strittmacher. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Metropolis. Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Mainz: Cinestar

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