Django Bates gibt den ?Beatles? einen neuen Sound.
+
Django Bates gibt den ?Beatles? einen neuen Sound.

Deutsches Jazzfestival Frankfurt

Die „Beatles“ in der Flummi-Version

  • VonMarcus Hladek
    schließen

Django Bates und die HR-Bigband eröffneten mit „Sgt. Pepper’s“ von den „Beatles“ das Deutsche Jazzfestival Frankfurt. Toll! Dazu gastierte das Chucho-Valdes-Joe-Lovano-Quintet.

Mit zwei Tagen mehr runderneuern die Macher derzeit das „DJF“ und gingen gleich an Tag eins in der Alten Oper in die Offensive. Es folgen drei Konzertabende im HR-Sendesaal und Finals im Mousonturm. Musik für den Äther also (HR 2 sendet alles live) plus ein Mehr an Austausch bis in die Strukturen.

Schöner Einfall, das mit einer Adaption des „Beatles“-Albums „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ zu begehen, das zum ersten Mal live gespielt wurde. Nur wer 1967, mitten im musikalischen Aufbruch, Popmusik stur als U-Musik abhakte, konnte den Kunstanspruch verkennen, den gerade „Sgt. Pepper“ als Ausdruck der Zeit erhob. In der fadenscheinigen Maske einer altmodischen UK-Militärband mit Publikumsgelächter und Zirkus erfanden sich die „Beatles“ im puren Studio-Album als Fab Four mit Zusatzzahl: mit Hörnern, Streichern, indischen Saiteninstrumenten im Sitar-Sound, Saxofonen, Klarinettentrio, großem Orchester. Viel Zeug, um auch jenseits der konsumierbaren Songform unerhörte Klänge zu finden.

Was in der Alten Oper aus der Wundertüte wurde, verzichtete auf zu harsche Einschnitte. Wer hat schon was von einem „Sergeant Pepper“, der vor lauter Verjazzen kaum wiederzuerkennen wäre? Oder einem ohne Gesang? Darum geht es vordergründig brav durchs Album und (das Original dauerte nur vierzig Minuten) drei Zugaben. Zwei davon, „Strawberry Fields“ und „Penny Lane“, hätten sowieso ins Album gehört. Auch Tonarten und -höhen bleiben beim Neuzusammensetzen fast unverändert. Kleine Abweichungen und kaum merkliche Verzögerungen sowie wütend einherdampfende Jazz-Passagen und Sounds wie von einem in die Binsen gegangenen Kanon hier oder da machten den Unterschied.

Vor allem verpasst der britische Musiker Django Bates dem Album mit dem Dänen Martin Dahl einen Sänger, der eine leise, klare, gelassene Verfremdung einbringt. Schlaksig im beige-karierten Anzug , übersetzt er die gedoppelten und überschrittenen Rhythmen tänzelnd, posierend, mimisch in fließende Körpersprache, dass es die effektvollen, pseudo-psychedelischen, auch satirischen „Beatles“-Vocals sichtbar umbiegt: „Sgt. Pepper“ in Flummi-Version, ohne Pathos, voller Hingabe. Der Sänger als Hans im Glück von Lied zu Lied. Auf dieser Grundlage wird es den Jazz-Trollen der fünfköpfigen Band nebst HR-Bigband-Teilen möglich, die Musik zu kapern, ohne sie zu zerschlagen. Soll man einen Mangel darin sehen, dass sich Bates mehr auf die Band in ihrer „Beatles“-Rolle verließ und die Bigband wie Session-Musiker einsetzte? Nein: Die „Zugaben“ waren 1967 mit das Wesentliche. Schiere Freude über Songs wie „Fixing A Hole“, Harrisons „Within You Without You“ und „A Day In The Life“, die so kunstvoll erneuert zu hören sind.

Gut angenommen wurde auch das amerikanisch-kubanische Quintett um Valdés und Lovano. Bei aller Virtuosität mutete ihre Musik nach dem Jazz-„Pfeffer“ konventioneller an, obwohl es um Latino-Passion und Stilmix ging.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare