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Beth Ditto sorgt im Hamburger Stadtpark für Stimmung.

Beth Ditto mit Deutschland-Farben und Regenbogenflagge

Es ist der kälteste Sommer-Abend seit langem - aber das kann Beth Ditto nichts anhaben, als sie am Montagabend die Open-Air-Bühne im Hamburger Stadtpark betritt.

Es ist der kälteste Sommer-Abend seit langem - aber das kann Beth Ditto nichts anhaben, als sie am Montagabend die Open-Air-Bühne im Hamburger Stadtpark betritt.

„Ich bin sehr heiß”, sagt die US-amerikanische Sängerin auf Deutsch und erntet Beifall. Ihr rot gefärbtes Haar hat die 37-Jährige zu einer Beehive-Frisur aufgetürmt, ihren rundlichen Körper in ein knielanges Kleid gesteckt. An den Ärmeln funkelt es in den hiesigen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold.

„Deutschland ist mein Lieblingsland”, sagt sie und wirkt dabei nicht mal anbiedernd. „Hamburg ist meine Lieblingsstadt. Aber erzählt das nicht Berlin, die sind etwas komisch da, so wettbewerbsorientiert”, meint sie in einem Gemisch aus Deutsch und Englisch. Den Hamburgern gefällt's. Auch wenn sie etwas länger brauchen, um aufzutauen. Ditto eröffnet mit drei Stücken von ihrem Solo-Debüt „Fake Sugar”, das vor einem Jahr erschien. Aber erst mit dem Gossip-Song „Your Mangled Heart”, bei dem sie mit ihrer kraftvollen Stimme so richtig losröhrt, tanzt das Publikum mit.

Im Jahr 1999 hatte sie die Punk-Riot-Band Gossip mit zwei Freunden aus ihrer Heimatstadt Searcy im US-Bundesstaat Arkansas gegründet. Sieben Jahre und drei Alben brauchte das Trio, um den amerikanischen Rock-Underground hinter sich zu lassen und international in den Charts mitzumischen. Ditto wurde zur Ikone der LGBT-Community und zum Feministen-Vorbild, das in Spandex-Höschen Karriere machte. Ihre XL-Rundungen stellte sie unverhüllt auf Covern von Lifestyle-Magazinen zur Schau und zeigte damit Figur-Mobbern den Mittelfinger. Dass Diskussionen über schwule Lebenswelten und Bodyshaming heute in den Mainstreammedien stattfinden, ist auch Dittos Verdienst.

Ihre Karriere mit Gossip hätte noch ein paar Jahre so weitergehen können, aber nach „A Joyful Noise” (2012) war die Luft raus, weshalb Ditto in Hamburg von vier anderen Musikern begleitet wird, darunter zwei Frauen. Ihre Gitarristin bezeichnet sie liebevoll als Bosslady, ihre Keyboarderin ist Doktorin. „Aber nicht so, wie ihr denkt. Sie ist Doktorin der Biologie. Sie kann euch sagen, welche Pilze ihr in eurem Garten anbaut.” Die Lacher sind Ditto damit sicher.

Ihre geballte Frauenpower legt die Sängerin, die eigentlich Mary Beth Patterson heißt, in den Gossip-Hit „Standing In The Way Of Control” - den schrieb sie, als sie 23 war. Die punkig angehauchte Powerpop-Hymne war seinerzeit ihre Antwort auf die Nichtanerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen in der amerikanischen Verfassung.

Insgesamt sechs Titel kommen an diesem Abend von ihrem Solo-Debüt, darunter die von Bluesrock beeinflusste Single „Fire”, die mit ihrem kräftigen Stampfbeat ordentlich in die Beine geht. „Bin ich froh, dass es hier keine Stufen gibt”, sagt sie. Auf dem Gras gesäumten Steg der Freiluftbühne nimmt Ditto - mittlerweile im rotglänzenden Volant-Kleid - zu „Heavy Cross”, das sich satte 97 Wochen in den deutschen Single-Charts hielt, ein letztes Bad in der Menge.

Aus dem Publikum reicht ihr jemand eine Regenbogen-Flagge, die sie sich dankbar um die Schultern legt. „Gute Nacht, Hamburg. Ich liebe dich!”, verabschiedet sie sich nach 80 Minuten und erntet viel Beifall. Ihre Sommer-Tour führt Ditto noch nach Singen (23.7.), Hannover (24.7.) und Münster (25.7.).

(Von Katja Schwemmers, dpa)

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