Dunkler Fürst mit Leder und Zylinder: Zucchero zeigt sich in Frankfurt im Breitwand-Format.
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Dunkler Fürst mit Leder und Zylinder: Zucchero zeigt sich in Frankfurt im Breitwand-Format.

Zucchero in der Festhalle

Blues, Schweiß und Tränen

Düsterer Blues-Fürst und heitere Canzone-Frohnatur in einem: Zucchero, Italiens Rock-Star Nummer eins, zelebrierte sich in der Frankfurter Festhalle in monumentalem Breitwand-Format.

Nach dem Grandezza-Finale mit dem Schmuse-Welthit „Senza una donna (Without a Woman)“ warf der stimmgewaltige Hüne zum Abschied seinen eleganten hellen Zylinder über den Mikrofonständer – ein Tableau, das so manchen Zucchero-Adepten, der sich in den drei Stunden zuvor regelrecht in Hysterie gesungen, geklatscht und geschrieben hatte, zumindest zum imaginären Niederknien animierte.  

Sämtliche Register zog der 61 Jahre alte Italiener Adelmo Zucchero Fornaciari mit den etwas anderen Canzones als über Sonne, Meer, Pizza, Frühling und Amore in seinem in drei Kapitel unterteilten Programm: Pünktlich legte der Schwergewichtige kurz nach 20 Uhr mit seiner in einer absoluten Traumkulisse verteilten, international besetzten 13-köpfigen Crew los – darunter Hammondorgel-Legende Brian Auger, Ex-Prince-Schlagzeugerin Queen Cora Dunham, Violinistin Andrea Whitt sowie Doug Pettibone an Pedal-Steel-Guitar, Dobro und Banjo.

Ein rustikales American-Way-Of-Life-Ambiente mit maroder Destillerie-Werbetafel („In Blues We Trust – Full Flavour Blended“) zur Linken sowie einem Wildwest-Fortturm mit der Aufschrift „Respect“, auf dem das Bläsertrio inklusive Tuba thronte. Gekrönt wurde das Szenario von einer gigantischen Projektionsfläche in kitschiger Herzform im Bühnenhintergrund. Einen wahren Koloss setzte der Vokalist und Multi-Instrumentalist, der schon ganze Alben allein eingespielt hat, seinem Publikum aus Deutschen und Italienern (in ganzen Familienverbänden!) im ersten Drittel vor. Das ganze aktuelle Album „The Black Cat“ spielte Zucchero mit seiner amerikanisch-kubanisch-italienisch-britischen Truppe: Zwei Schlagzeuger, vier Gitarristen, wenn der Chef ebenfalls zur E- oder Akustik-Sechssaitigen griff, sowie diverse begnadete Chorstimmen. So etwas kann sich nur ein ganz Großer erlauben.

Barocke Größe

Nicht nur, weil Zucchero es eben kann, sondern vor allem, weil es sich lohnte, in die authentisch zwischen Soul, Rock, Blues, Gospel, Country und Folk oszillierenden Songs einzutauchen. Der Auftakt „Partigiano reggiano“ zitierte im Intro Joe Cockers Version von „Cry Me A River“. Wie der 2013 verstorbene Cocker setzte auch Zucchero gelegentlich selbstvergessen zum Luftgitarrespielen an. „Ti voglio sposare“ rockte so vehement, wie „Ci si arrende“ zart balladenhaft gelang. „L’anno dell’amore“ groovte soulig, „Hey Lord“ wühlte tief im Gospel-Blues.

Hits und Evergreens dominierten das zweite Kapitel: Rhythmisch-Lateinamerikanisches wie „Baila (Sexy Thing)“ traf auf das Klassik-Duett „Miserere“ mit dem 2007 verstorbenen Meistertenor Luciano Pavarotti per Videoeinspielung. Nicht minder beeindruckend waren der seelenvolle Gospel von „Creedence Clearwater Revivals“ „Long As I Can See The Light“, der brillante Jazz-Funk-Soloausflug „Freedom Jazz Dance“ von Brian Auger sowie der derb verrockte B.B.-King-Blues „Rock Me Baby“ mit der stimmgewaltigen Harmoniesängerin Tonya Boyd Cannon ebenfalls an der Hammondorgel.

Sämtliche Register zogen im dritten Teil auch die swingende Soul-Funk-Hymne „Overdose (d’amore)“, die verspielte Rock-Ballade „Diamante“ und die gespenstische Voodoo-Teufelsbeschwörung „Diavolo In Me“. Bleibt zu hoffen, dass die Satansaustreibung des barocken Italieners mit so viel Passion auch in Zukunft nicht klappen wird.

Wer so famose Mitsinghymnen über Katholiken wie „Solo una sana e consapevole libidine salva il giovane dallo stress e dall’Azione Cattolica“ schreibt, darf selbstverständlich auch von Luzifer besessen sein. Besinnlich bis tränenreich hingegen das Zugaben-Ciao: Ein karg verjazztes „Dune Mosse“ und das unvermeidliche Liebessäuseln von „Senza una donna (Without A Woman)“, 1991 ein internationaler Hit im Duett mit Paul Young.

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