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In Lars Kraumes Kinofilm ?Der Staat gegen Fritz Bauer? spielte Burghart Klaußner den Hessischen Generalstaatsanwalt.

Zweitbeschäftigung

Burghart Klaußner liest in Frankfurt aus seinem ersten Roman

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In Kinofilmen wie „Das weiße Band“ oder „Der Staat gegen Fritz Bauer“ hat er als Charakterdarsteller beeindruckt. Nun erzählt der Schauspieler im Literaturhaus vom Kriegsjahr 1945 in seiner Geburtsstadt Berlin.

Man kann Burghart Klaußner einen durch und durch deutschen Schauspieler nennen. Obwohl er das vielleicht gar nicht gerne hören würde. Aber seine Rollen sprechen nun mal dafür. Wie oft hat er Vertreter einer Obrigkeit gespielt, die es so eben nur in Deutschland gibt. Nazis natürlich, aber auch etliche andere Autoritätspersonen im schlechten Sinne. Lehrer, die ihre Schüler peinigen, oder sonstige Erziehungsberchtigte, denen nicht daran gelegen ist, das Beste aus ihren Schutzbefohlenen herauszuholen. obwohl es doch ihre Verpflichtung wäre.

Aber dann hat Burghart Klaußner eben auch wieder diese anderen Deutschen verkörpert. Die Unangepassten. Die Aufbegehrer, die sich dem Gängigen nicht bedingungslos fügen und sich der Obrigkeit nicht unterwerfen wollen. Die Widerständler, die es mit einem ganzen menschenverachtenden Regime aufnehmen und sich dabei selbst nicht schonen. Die ihr Gewissen benutzen, sodass es sich angesichts des Unrechts regt – und keine Ruhe mehr gibt, bis am Ende Recht und Gerechtigkeit wiederhergestellt sind.

So richtig begann die große schauspielerische Karriere von Burghart Klaußner eigentlich erst nach längeren Engagements an verschiedenen Theatern, auch am

Schauspiel Frankfurt

, mit „Das weiße Band“. In diesem Kinowerk des Österreichers Michael Haneke (2009) spielte er einen protestantischen Pastor, der vor dem Ersten Weltkrieg in einem norddeutschen Dorf seine Kinder mit äußerster Strenge erzieht. Die Lehre aus diesem ungewöhnlichen Schwarzweißfilm lautet, dass politisches Unheil immer im Kleinen beginnt, in der Familie. Wer zu übermäßigem Gehorsam erzogen wird, der wird sich als Erwachsener auch bereitwillig einer Diktatur beugen. Schnell war klar, dass Burghart Klaußner sich durch diesen Film einen Namen gemacht hatte. Die Angebote der Regisseure überschlugen sich. Aber Klaußner nahm sie nicht beliebig an, er achtete auf Vielfältigkeit und stellte so sicher, dass er sich zu einem der eindrücklichsten Charakterdarsteller des derzeitigen deutschen Films heranbilden konnte.

„Ich habe ein Faible dafür, historischen Persönlichkeiten genauso auf den Grund zu kommen wie dem Alltagsmenschen“, sagte er einmal. In dieser Äußerung offenbart sich eine berufliche Überzeugung, aber auch ein akribischer Arbeitsstil. Und so spielte Burghart Klaußner mit geradezu schauriger Ausdrucksstärke den sadistischen Reichskriminalchef Arthur Nebe, der in Oliver Hirschbiegels Kinofilm „Elser“ den gleichnamigen Hitler-Attentäter im KZ hinrichten lässt. In fulminantem Gegensatz dazu stand Klaußner dann als Hessischer Generalstaatsanwalt in Lars Kraumes Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ vor der Kamera. Das in Frankfurt spielende Geschichtsdrama handelt von der Aufspürung und Anklage unbelangt gebliebener Nazi-Täter, die von 1963 an in den Auschwitz-Prozessen verurteilt werden sollten.

So wie immer mehr andere Schauspieler auch hat es Burghart Klaußner nun aber dazu getrieben, aus der Schauspielerei herauszutreten und einen Roman zu schreiben. „Vor dem Anfang“ heißt das Buch, das am 7. September im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheint und das Klaußner am 13. September im Frankfurter Literaturhaus vorstellt, ausgerechnet oder zufällig an seinem 69. Geburtstag. Das Prosawerk handelt von seiner Vater-und-Mutter-Stadt Berlin, wo seine Eltern im Bezirk Charlottenburg die Traditionsgaststätte „Zum Klaußner“ betrieben. Und obwohl erst 1949 geboren, erzählt Klaußner vom Krieg, vom Häuserkampf gegen die einmarschierten Russen im April 1945 sowie von zwei Soldaten, die den Auftrag erhalten, die Geldkasse ihrer Einheit ins Reichsluftfahrtministerium zu bringen. Auf zwei klapprigen Fahrrädern ziehen sie quer durch die zerschossene Stadt und müssen aufpassen, dass sie jene Unversehrtheit, die sie sich an der Front bewahren konnten, nicht doch noch verlieren.

Auch gesungen hat Burghart Klaußner schon. Vor knapp 20 Jahren war er mit einer Swing-Band und Chansons des Franzosen Charles Trenet („La Mer“) sogar auf Deutschlandtournee. Frei nach Hildegard Knef könnte er auch singen „Ich hab’ noch einen Wohnsitz in Berlin“. Hauptansässig aber ist der Schauspieler mit Ehefrau Jenny in Hamburg. Einer der beiden gemeinsamen Söhne ist ebenfalls Schauspieler, der andere Jurist. Es sind die zwei denkbar besten Berufe, wenn es darum geht,

Wahrheit ans Licht

zu bringen.

Lesung Burghart Klaußner

Literaturhaus, Schöne Aussicht 2, Frankfurt. 13. September, 19.30 Uhr. Karten zu 16 Euro unter Telefon (069) 75 61 840. Internet

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