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Charlie Chaplin packt an: Zu dem Stummfilm ?The Immigrant? (Der Einwanderer) gab es Live-Musik.

Stummfilm-Musik-Varieté „Ma(i)nhatta“

Charlie Chaplin wandert ein

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Das unterhaltsame, gleichwohl sehr anspruchsvolle Stummfilm-Musik-Varieté „Ma(i)nhatta“ war an der Frankfurter Oper Frankfurt zu erleben.

Da schmunzeln alteingesessene Frankfurter: Ein wild bevölkertes Strandbad am Main – das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Und die eingeblendete Schrift „Von Frankfurt nach New York in nur 81 Stunden per Zeppelin“ sorgte ebenso für helles Lachen beim von sanften Klavierakkorden unterstützten Stummfilm mit „Frankfurter Filmaktualitäten“ (1910).

Danach schritten sieben Musiker Ragtime spielend über die Bühne der Frankfurter Oper in den Orchestergraben. Doch der Vorhang fiel noch nicht, denn sieben in Frack und Zylinder gekleidete Gestalten vollführten einen Scherenschnitt-optischen Tanz hinter transparentem Vorhang, ein wahres Faszinosum für die Augen. Charlie Chaplins Stummfilm „The Immigrant“ stand dann auf dem Programm, ein Film, der den unvergesslichen Komiker bei der Überfahrt nach New York und dann in grotesker Manier in einem dortigen Restaurant seine Späße treibend zeigt. Passend dazu eine Musik, die sehr an Kurt Weills Klangarchitekturen erinnerte.

Uwe Dierksen als musikalischer Leiter des Abends hatte sie geschrieben und für Instrumentalisten der HR-Bigband und des Ensemble Modern arrangiert. Punktgenau die Abstimmung der harmonischen Finessen mit den laufenden Bildern, vorbildlich der dynamische Feinschliff in den Laut-und-Leise-Effekten. „Die Erfindung“ entpuppte sich als Dramolett für Mezzosopran (Elizabeth Reiter) und Bariton (Ludwig Mittelhammer) von Mareike Wink und Uwe Dierksen, ein kurzes Intermezzo über die Zweckentfremdung einer Tageszeitung, bevor das titelgebende „Ma(i)nhatta“ von Charles Sheeler und Paul Strand filmisch ins Mainhattan des Jahres 1921 führte. Bilder von Lastkähnen und Hochhausschluchten wurden hier natürlich in Schwarz-Weiß vor Augen geführt. Dazu sorgte Musik aus dem Graben mit schrillen Effekten und atonalen Akkorden für Reibung.

Kontrapunkt war dann der Programmteil „Künstler auf Rollen“, bei dem die Rollkunstläufer „Roll’s Royce Hanau“ ein von Nathalie Heinz choreografiertes federleichtes Ballett mit Formationstänzen und Pas de deux zeigten. Nina Goslar und Mareike Wink hatten eine stimmige Dramaturgie für den außergewöhnlichen Abend entwickelt, der nach der Pause die überarbeitete Fassung von Raoul Walshs „Regeneration“ (1915) bot, Archetyp aller Gangsterfilme. Die Vorführung auf Großleinwand profitierte von der eigens komponierten Musik von Peter Reiter-Schaub, der Ragtime, Cake Walk und Blues virtuos zu einer spannenden Verbindung aus Bildern und Klängen mischte.

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