Popkonzert

Connor O’Brien und die „Villagers“ im Frankfurter „Zoom“

Der irische Songpoet überzeugt mit einer Stimme voller Schmelz und Schmerz sowie Texten, die gegen die mögliche Verzweiflung antrotzen.

Es ist immer wieder so verblüffend wie amüsant, was Musiker auf Tourneen bei ihren Visiten in einer Stadt als typisch wahrnehmen. Conor O’Brien, Spiritus Rector der „Villagers“, plaudert auf der Bühne von der Telefondichte, die er in seinem Hotel entdeckt hat. Selbst da, wo man es nicht vermute, stünde ein Apparat. Nur warum? Da sei es ihm in den Sinn gekommen, dass Johann Philipp Reis, der Erfinder der elektrischen Fernsprechverbindung, in Frankfurt gelebt habe. Gut möglich, dass er da mehr wusste als manch einer seiner Fans im Club. „Was könnt ihr mir noch an Eigenartigkeiten aus Frankfurt erzählen?“, fragt er das Publikum. „Apfelwein“, schallt es aus einer Ecke, „Techno“ aus einer anderen.

Ob solche Geschichten Eingang in Connor O’Briens Poesie finden werden, bleibt abzuwarten. Für den Moment heißt das Tourmotto nach dem aktuellen Album „The Art Of Pretending To Swim“. Mag uns das Wasser auch bis zum Halse stehen, untergehen wollen wir nicht. Also einfach mal vorgeben, dass wir gute Schwimmer sind und den Kopf oben behalten. Optimismus à la Conor O’Brien. Der überzeugt mit einer Stimme voller Schmelz und Schmerz. Ein Belcanto mit kratzigem Unterton, der den Romantiker gibt. Seine „Villagers“, vor zehn Jahren gegründet, wurden unter „Indie-Folk“ sortiert, er zum Singer/Songwriter erklärt. Schnell aber gab es Vergleiche zu Kollektiven wie „Bright Eyes“, „Bon Iver“ oder „Arcade Fire“.

Es ist ein neues Sounddesign, auf das sich die Iren mit „The Art Of Pretending To Swim“ kaprizieren. Fast alle neun Stücke der CD stehen im 15-Titel-Live-Repertoire. Klar zupft und schrammelt O’Brien weiter seine Akustikgitarre, aber es sind die beiden Keyboarder, die nicht nur klassisch anmutende Klavierklänge und sakrale Orgelflächen, sondern vor allem analoge Synthesizer-Klänge beisteuern. Damit lassen sich herrlich Sphären- und Sirenenklänge oder opulente Orchestrierungen erzeugen. Elegische Flügelhorn-Melodien verdichten die Stimmungen noch. Den Hang zum Hymnischen in den Slow Songs und Balladen vermag das Quintett mit viel Dynamik zu durchbrechen. Mit Sinn fürs Dramatische werden die Spannungsbögen so angelegt, dass kurze, ekstatische Momente nicht ausbleiben. Dann hüpft der Sänger wie ein Gummiball um sein Mikrofon und reißt seine Bewunderer aus ihrem andachtsvollen Zuhören.

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