Städelschul-Absolventen im MMK 3

Ein Croissant kann auch Kunst sein

Die 26 jungen Künstler stellen im Frankfurter MMK 3 ihre besten Werke vor und zeigen, was sie bei ihren Professoren gelernt haben.

Was für ein schöner Zufall: Da treffen sich 26 Kunststudenten, um ihre Absolventenschau zu besprechen. Sie kommen aus acht Klassen, kennen sich also nur flüchtig. So fällt es schwer, einen gemeinsamen Ausstellungstitel zu finden – bis ein hungriger Student spontan das Wort Croissant in die Runde wirft. Der Verlegenheits-Titel findet allgemein Anklang. Freilich wissen die jungen Menschen nicht, dass an ihrer Akademie, der Frankfurter Städelschule, von 1966 bis 1988 der Bildhauer Michael Croissant lehrte. Da aber viele Werke der Studenten einen skulpturalen Charakter haben, passt der Titel perfekt, auch wenn niemand die abstrakten Köpfe und Körper aus Stahl oder Bronze von Michael Croissant kopiert.

Zum achten Mal finden nun die alljährlichen Präsentationen der Absolventen im MMK 3 statt, dem früheren Zollamt, das schon seit geraumer Zeit als Ableger des Museums für Moderne Kunst (MMK) schräg gegenüber dem Haupthaus dient. Das MMK will, so Direktorin Susanne Gaensheimer, nah an der Produktion dran sein und zugleich ein Forum anbieten für die junge Szene. Zudem bietet sich für das Museum die Chance, frühzeitig Talente zu entdecken und deren Werke günstig zu erwerben – was in den letzten Jahren weidlich genutzt wurde.

Jetzt stellen sich bis 14. August die Schüler von acht Professoren vor, aus der Film-Klasse von Douglas Gordon, aus der Bildhauer-Klasse von Tobias Rehberger, aus den drei Klassen für freie bildende Kunst von Peter Fischli, Judith Hopf und Willem de Rooij sowie aus den drei Malerei-Klassen von Michael Krebber, Amy Sillman und Josef Strau.

Abenteuerlich schief

Da die Absolventen keine Abschlussarbeit machen, hat MMK-Kuratorin Sabrina Franz in Absprache mit ihnen teils vorhandene Werke aus den Ateliers ausgewählt, teils haben die Studenten eigens Arbeiten für die Schau geschaffen. Jasmin Werner etwa hat zwei abenteuerlich schiefe Minitreppen aus Alu gebastelt, die als symbolische Ein- und Ausgänge der Schau dienen, auch wenn sie nicht ganz so zentral hängen. Jasmin Werner setzt sich auf diese Weise klug mit dem Raum auseinander. Ellen Yeon Kim hingegen geht es um die sozialen Rollen von Frau und Mann, Mutter und Vater. Ihre drei Kinderbetten, die absichtlich viel zu lang und zu schmal sind, hat sie mit Spielzeug und kuscheligem Fell ausgestattet.

Kitsum Cheng wiederum hat aus Sand und Backpulver eine Schale geformt, die als Behältnis für Früchte dienen könnte und damit ein wunderschönes Stillleben abgeben würde. Aber die Schale ist leer. Durch ihre fragilen Bestandteile ist sie dennoch dem Verfall preisgegeben, verweist also auch ohne faulendes Obst oder Gemüse auf die Vergänglichkeit allen Lebens.

Gemeinsam mit Theresa Kampmeier hat Kitsum Cheng kleine Geschichten erfunden, zu einer Zeitung gefügt und an zwei Spazierstöcke geheftet. Die nimmt man von der Wand, vertieft sich in den „Stickler’s Digest“ und begibt sich auf geistige Wanderschaft durch die Höhen und Tiefen der Fantasie. Eine schöne Idee der beiden Studentinnen! Auch Theresa Kampmeier hat eine eigene Arbeit beigesteuert, eine an die Museumswand gekritzelte Telefonnummer. Ruft man die Nummer an, bekommt man ein Hörspiel serviert über eine junge Frau, die einen Radunfall hat – mehr wird nicht verraten!

Sicherlich eine der besten Beiträge liefert Franziska Wildt über die Tänzerin und Bildhauerin Oda Schottmüller, die als Widerstandskämpferin 1943 von den Nazis hingerichtet wurde. Nun spürt Franziska Wildt in mehreren und sehr aufwendigen Videoinstallationen dem Leben und Wirken der Künstlerin und Kämpferin nach, die heute nur noch Insidern ein Begriff ist.

Unter der Vielfalt der Themen fallen auch etliche Beiträge auf, die sich um Sprache und Bedeutung von Wörtern drehen. Schade nur, dass die Malerei in diesem Jahrgang keinen sonderlich prägnanten Auftritt hat, quantitativ wie qualitativ. Aber daraus ist kein Trend abzuleiten, denn an Kunstakademien gibt es keine Regelstudienzeit. Folglich schwankt alle Jahre wieder nicht nur die Zahl der Abgänger, auch manche Genres sind stärker oder schwächer vertreten.

Museum für Moderne Kunst (MMK 3), Domstraße 3, Bis 14. August, dienstags bis sonntags 10–18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. Eintritt 6 Euro. Katalog (in Form einer Sammlung loser Karten) 12 Euro. Telefon (069) 21 23 04 47. Internet

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