Musik für Kinder

"Deine Freunde" nehmen ihre jungen Zuhörer ernst

Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimscheck machen als „Deine Freunde“ die coolste Kindermusik, die es zurzeit für Geld zu kaufen gibt. Nun kommen die Jungs aus Hamburg in den „Schlachthof“ nach Wiesbaden.

Sie machen Musik für Kinder, aber deswegen ist ihnen das Urteil der Erwachsenen ja nicht egal. „Uns freut das total“, so Florian Sump, „wenn Leute in unserem Alter, meistens die Eltern, zu uns kommen und sagen, dass sie unsere Songs cool finden.“ Überhaupt ist Sump (36) überrascht, wie textsicher die Eltern mittlerweile sind. „Die stehen nicht nur hinten rum und checken ihre Mails. Die sind voll dabei.“ Getrennt werden Kinder und Eltern im Konzert trotzdem. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kids viel mehr abgehen, wenn sie nicht einen halben Meter neben Mama und Papa stehen, sondern unter sich sind.“

Das ist schon eine schöne Geschichte mit diesen dreien. Seit 2012 machen sie gemeinsam Popmusik für Kinder, Kernzielgruppe Grundschulalter, und das so einfallsreich, erfrischend, gewitzt und unpeinlich wie wohl niemand sonst im deutschsprachigen Raum. „Wichtig ist uns, dass wir uns nicht anbiedern, sondern immer erstmal vom eigenen Geschmack ausgehen“, sagt Flo Sump. „Wir drängen uns nicht als irgendwelche onkeligen Kinderkumpels auf, sondern nehmen die jungen Hörer absolut ernst. Die spüren, dass bei uns alles aus Bauch und Herz kommt, dass uns das wirklich Spaß macht, und dieser Spaß überträgt sich.“

Sump (zweijähriger Sohn, drei Monate alte Tochter) hat Erfahrung, in mehrerlei Hinsicht. In seinem früheren Leben war er Schlagzeuger von „Echt“, er war noch nicht volljährig, da himmelten die Mädchen ihn als einen der größten Popstars des Landes an. „Echt“ zerbrach recht schnell, „und ich war komplett raus aus dieser Welt. Ich wusste nicht einmal, ob ich jemals wieder mit Musik meinen Lebensunterhalt bestreiten möchte. Aber bestimmte Erfahrungswerte, etwa wie man mit Publikum umgeht, die sind geblieben“, erzählt Sump.

Ohne Ausbildung und Studium übernahm er Jobs, „bei denen man lange hart arbeiten muss und trotzdem wenig verdient“, Wurstverkäufer auf dem Wochenmarkt zum Beispiel. Als Zivi im Kindergarten entdeckte er, dass es ihm Spaß macht, mit Kindern zu arbeiten, und wurde Erzieher, „ein Knochenjob“, wie er sagt. „Durch meine Arbeit habe ich gemerkt, dass das Angebot an guter Musik für Kinder sehr begrenzt war. Als wir anfingen, war unsere Devise, Musik zu machen, die wir selbst gern als Kinder gehört hätten.“ Seit „Deine Freunde“ schafft es Florian Sump noch einmal pro Woche in die Kita, um mit den Kindern Musik zu machen. Auch die Kollegen sind vom Fach. Markus Pauli ist der Live-DJ von „Fettes Brot“, Lukas Nimscheck hat früher den „Tigerenten-Club“ moderiert. Mit Rolf Zuckowski, dem inzwischen 70 Jahre alten Grandseigneur des Genres „Musik für Kinder“, tauscht man sich von Beginn an aus. „Rolf ist ein bisschen unser Mentor und sicher nicht der übelste Ratgeber.“

Vom ersten Album „Ausm Häuschen“ (2012) an geht es immer weiter aufwärts für die Jungs, die es ja schon deshalb nicht so leicht haben, weil ihnen naturgemäß die Hörer nach ein paar Jahren entwachsen und sie permanent für Nachschub sorgen müssen. „Für manche Leute sind wir jetzt schon in der Rubrik ,Weißt du noch, das haben wir früher immer gehört‘“. Auf der anderen Seite können sie sich musikalisch austoben, bei „Deine Freunde“ herrscht das stilistische Alles-ist-erlaubt-Prinzip. „Kinder haben noch nicht diesen Authentizitätswahn. Die sind nicht festgelegt auf einen Sound oder Stil. Uns kommt das entgegen. Wir sind drei Typen mit drei Geschmäckern und können unsere Musik als unseren Spielplatz betrachten.“

Also machen sie Latin-Pop („Mein lieber Freund, ich zähl bis drei“, Synthi-Pop („Nur noch 5 Minuten“), Hip-Hop („Du bist aber groß geworden“) und R & B („Fontanelle“). Die Texte sind ehrlich und auch mal frech – in „Das böse Wort“ wird selbiges am Ende ausgesprochen, wenngleich geflüstert –, unmittelbar dran am Leben der Kinder und auch hin und wieder leicht lehrreich. Sump: „Das lustige Wort ,Fontanelle‘ habe ich zum ersten Mal bei der Geburt meines Sohnes gehört. Jetzt singen wir es. Darüber freuen wir uns diebisch.“

Im letzten Song, „Unsere Fans“, bringt es das verspielte Trio auf den Punkt. „Der beste Job der Erde ist diese Musik für euch“, heißt es im Refrain. „Das klingt fast abgedroschen, aber es ist so. Unser Leben ist gerade ein absolutes Geschenk, und das darf man ruhig auch mal sagen.“

Schlachthof Wiesbaden

Murnaustraße 1. 23. Februar, 16 Uhr; 24. Februar, 15.30 und 17 Uhr. Karten zu 24,60 Euro unter Hotline 01 80-6 05 04 00. Internet

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