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Dichter Jan Wagner präsentiert sein allererstes Hörspiel

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Von: Dierk Wolters

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Der Dichter Jan Wagner hat erstmals ein Hörspiel geschrieben – im Gallus-Theater war es bei den Lyriktagen Frankfurt in einer Live-Aufführung zu hören und zu sehen.

Das Leben ist vergänglich und kurz. Nur Gold währt ewig. In Jan Wagners Hörspiel „Gold. Revue“ spricht es selber, mit durchdringender, theatraler Stimme aus der Tiefe des Raums. Zuerst ist es nur da als Gerücht. Irgendwo hat irgendjemand etwas gefunden. In einem Fluss. Man muss den Fluss waschen. Das Gerücht soll ein Geheimnis bleiben, doch rasend schnell verbreitet es sich. Die Gewissheit vom baldigen Reichtum packt alle wie ein Fieber. Ein Zwang, ihn zu erlangen: Denn wäre es nicht frevelhaft, sich diese Lebenschance entgehen zu lassen?

Ausgerechnet den Goldrausch hat sich Jan Wagner, designierter Büchnerpreis-Träger und Besinger der unscheinbaren Dinge, vorgenommen. Der Goldrausch, der in der Mitte des 19. Jahrhundert Menschen aus aller Welt nach Kalifornien trieb, die Hoffnung, im Leben groß herauszukommen, die für so viele in Verzweiflung, Krankheit und Tod endete; der Goldrausch, der schon Jack London zu großen Romanen inspirierte, ein Menschheitsglückstraum und eine Tragödie zugleich.

Der Traum vom Gold

In der Tat. Jan Wagner, inspiriert von einem dreimonatigen Aufenthalt in Kalifornien, wirft die große Hörspielüberwältigungmaschinerie an: lässt das Gerücht anschwellen zum Orkan und begleitet dann die Schürfer in den Westen – und mit ihnen all jene, die mittelbar Profit erzielen wollen: den Saloon-Besitzer, seine Huren, die die dreckigen, schnell zum Wrack verkommenen Männer verabscheuen, den Prediger, der eifernd vor Alkohol und allen anderen Sündenfällen warnt – natürlich umsonst.

Fünf wunderbare Sprecher, drei Männer, zwei Frauen, einen E-Gitarre-Spieler und einen Perkussionisten an Marimbaphon, Drums und Glocken hat Sabine Küchler, Hörspielchefin beim Deutschlandfunk, für die Live-Performance aufgefahren. Im Radio wird es in einer leicht veränderten Fassung zu hören sein (am 15. Juli im Deutschlandfunk, 20.05 Uhr, am 16. Juli bei SWR 2, 18.20 Uhr).

Es ist ein deftiges Stück, das die Lust und die Gier und all die Süchte der Menschen aufs Goldkorn nimmt, das mit Sinnlichkeit und ja, sogar, mit Songs prunkt, die Sven-Ingo Koch unter Leonhard Koppelmanns Regie komponiert hat.

Ernst und leicht zugleich

Und doch bleibt es lyrisch und bei aller Tragik leicht wie Spaß und Spiel. Zeilen wie „Ich putze den Tisch“ und „Ich schuppe den Fisch“ sind sehr nahe an dem manchmal limerickhaften Reimübermut, der Jan Wagner oft auszeichnet. Inspiriert wurde er übrigens von Dylan Thomas’ legendärem Hörspiel „Unter dem Milchwald“ von 1953: Auch da geht es um Hoffnungen und Träume, die sich in lyrischen Szenen entfalten. Ein welthaltiges Menschheitsdrama zwischen Saloon und Sacramento vom zarten Giersch- und Teebeutel-Bedichter – wer hätte das gedacht?

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