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Verdis "Falstaff" in der Oper Frankfurt

Mit dickem Ranzen und schmalem Geldbeutel

  • VonMatthias Gerhart
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Verdis „Falstaff“ wurde am Frankfurter Opernhaus wieder aufgenommen. Die 2014 erstmals gezeigte Inszenierung hat Keith Warner besorgt.

Dreh- und Angelpunkt dieser späten Oper Verdis ist die Titelfigur – Falstaff, ein Säufer und Schnorrer mit dickem Ranzen und schmalem Geldbeutel. Man wird aber gleichwohl auch Sympathien für diesen „nonkonformen“ Menschen entwickeln, der am Ende würdevoll die Hörner trägt, die ihm aufgesetzt wurden.

„Die ganze Welt ist eine Posse“, und er ist dabei der größte Possenreiter. Der Frankfurter „Falstaff“, der in der Inszenierung Keith Warners im Februar 2014 erstmals gezeigt wurde, lebt vor allem vom Darsteller des Titelhelden, ja es hat zuweilen den Anschein, als handele es sich in Frankfurt um eine echte „Zeliko-Lucic-One-Man-Show“. Lucic räkelt sich behäbig am Tresen, er stellt den Frauen nach – nicht aber aus Liebe, sondern in der Sorge um künftige Sponsoren für sein Schnorrertum.

Der Sänger trifft dabei den quasi buffonesken Tonfall Falstaffs immer wieder auf das Trefflichste – bei ihm vereinigen sich sängerische Stärke und darstellerisches Talent in glücklicher Weise. Man tat gut daran, ihn bei der Wiederaufnahme abermals für diese Paraderolle zu engagieren.

Das Interesse des Publikums galt auch mehreren Rollendebüts. James Rutherford gab die Gewähr für einen authentisch und in Maßen komisch wirkenden Ehemann Ford, Kateryna Kasper wirkte als herzige Nannetta. Jessica Strong und Paula Murrihy empfahlen sich für weitere Auftritte als Alice Ford beziehungsweise Meg Page. Anna Larsson war schließlich zum ersten Mal auf der Frankfurter Opernbühne zu erleben – auch die Rolle der Mrs. Quickly hat ihr komödiantisches Format.

Julia Jones leitete das Opern- und Museumsorchester. Zum ersten Mal erlebte man die englische Dirigentin – nach mehreren Mozart-Opern – mit einer Verdi-Interpretation in Frankfurt. Ihr war am Ende der gewaltige Beifall eines vergnügten Publikums gewiss. Am stärksten aber sahnte Zeliko Lucic in der Gunst der jubelnden Zuschauer ab. War es am Ende doch eine „One-Man-Show“? Lucic und die Frankfurter Oper werden damit leben können – und die ausgezeichneten übrigen Künstler hoffentlich auch.

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