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Errol Morris, Regisseur und Oscarpreisträger aus den USA, stellte seine Doku „American Dharma” in Venedig vor.

Doku mit Steve Bannon beim Festival in Venedig

Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, war am Mittwoch beim Filmfestival Venedig zu sehen - zumindest auf der Leinwand. Bei den Festspielen wurde die Dokumentation „American Dharma” mit Bannon gezeigt.

Steve Bannon, ehemaliger Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, war am Mittwoch beim Filmfestival Venedig zu sehen - zumindest auf der Leinwand. Bei den Festspielen wurde die Dokumentation „American Dharma” mit Bannon gezeigt.

Ob der 64-Jährige auch selbst auf den Lido kam, blieb allerdings unklar. Bannon sei weder ein offizieller Gast des Festivals, noch gehöre er zur Delegation des Films, erklärte das Festival. Man habe jedoch „gehört”, dass Bannon in Venedig sei. Es gab auch Gerüchte, er sei im letzten Moment in den Premierensaal gegangen; bestätigt wurde das aber nicht.

„American Dharma” ist die neue Dokumentation des Oscarpreisträgers Errol Morris. Der 70-jährige Morris traf sich dafür mit Bannon und befragte ihn zu seinem Werdegang, seinen Ambitionen und seiner Rolle im Wahlkampf von Trump. Das Werk läuft bei den Festspielen außer Konkurrenz.

„Es ist wichtig, dass wir ein besseres Verständnis dafür bekommen, was passiert”, erklärte Morris auf einer Pressekonferenz, zu der er alleine erschienen war. Man müsse verstehen, was bei den US-Wahlen 2016 passiert sei und was derzeit in den USA vor sich gehe, „damit es nicht wieder passiert”. Er habe mit sich gehadert, ob er Bannon eine größere Plattform geben wolle. „Aber ich will auch nicht stumm bleiben.(...) Stumm zu bleiben ist nicht gut, es ist schlecht.” Bannon „versucht nun, seine Ideen nach Europa zu exportieren, was ich extrem beängstigend finde.”

Der Film „American Dharma” ermöglicht einen genaueren Einblick in Bannons Gedankenwelt. „Es kann keine Kissenschlacht sein, du brauchst Killer”, sagt er etwa im Gespräch mit Morris, als es um seine zentrale Idee, den Populismus, geht. Als Morris ihn mit Satan vergleicht, scheint Bannon das nicht als Affront zu sehen: „Es ist besser, in der Hölle zu regieren, als im Himmel zu dienen”.

Morris, der 2004 für „The Fog of War” über den ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara einen Oscar für die beste Dokumentation gewann, mischt in „American Dharma” Interviewsequenzen mit Fotos, Nachrichtenschlagzeilen und Filmausschnitten - Bannon ist großer Filmfan. Manchmal hakt Morris dabei nicht konsequent genug nach. Will Bannon wirklich die Mittelschicht stärken, ohne eigene, finanzielle Hintergedanken? Darauf schweigt Bannon.

Dennoch bekommen Zuschauer im Laufe von 95 Minuten einen Eindruck davon, wie strategisch und zielgerichtet Bannon denkt. Aufgeben gibt es für ihn nicht. „Vereinfache alles” sei der Rat an Trump gewesen. Bei seinen Erzählungen über die Webseite Breitbart News Network wird außerdem deutlich, wie früh er die Bedeutung digitaler Medien für die Verbreitung seiner Ideen entdeckte. „Es wird eine Revolution geben, ganz sicher”, prophezeit Bannon - und das ist die Schluss-Sequenz des Films.

(Von Aliki Nassoufis, dpa)

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