Philipp Demandt

Der dreifache Kunst-Direktor

  • Dierk Wolters
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Am 3. Oktober tritt Philipp Demandt sein Amt in Frankfurt an. "Für mich ist das in diesem Jahr kein Feiertag", sagt der Direktor von Städel, Liebieghaus und Schirn.

Dass ihm ein Journalist vor gar nicht langer Zeit eine „Steve-McQueen-hafte Lässigkeit“ zuschrieb, wenn er Ausstellungen präsentiere, habe bei ihm für anhaltende Verspannungen gesorgt, lacht Philipp Demandt.

Tatsächlich aber wirkte der 45-jährige Kunsthistoriker guten Mutes, als er sich, flankiert von Frankfurts neuer Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Nikolaus Schweickart, dem Vorsitzenden der Städel-Administration, gestern offiziell in Frankfurt vorstellte, für wenige Stunden eingeflogen nur, weil zum Wochenende hin erst einmal seine Berliner Verabschiedung ansteht. Mit sich im Reinen und optimistisch wirkt Demandt. Am 28. April um 14.58 Uhr habe Schweickart mit einer Mail bei ihm angefragt. Ungefähr um 14.59 Uhr habe er, der sich einen Wechsel zuvor nicht vorstellen konnte, gedacht: „Wenn, dann Frankfurt . . .“

1971 geboren, wuchs Demandt in Berlin auf, verbrachte aber auch viel Zeit auf dem Landsitz der Familie in der Wetterau. Sein Vater ist der Althistoriker Alexander Demandt, sein Großvater war hessischer Landesarchivar. Seine Doktorarbeit schrieb Philipp Demandt über die Skulptur des Klassizismus am Beispiel der in Darmstadt geborenen preußischen Königin Luise. Anschließend arbeitete er sieben Jahre als Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder. 2012 wurde Demandt Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin. Sie gründet sich, ähnlich wie das Städel, auf eine bürgerliche Sammlung.

Freiheit und Kontinuität

Es wirkt glaubhaft, wenn Demandt versichert: „Mein Konzept für Frankfurt heißt vor allem: Kontinuität.“ Das kommt gut an in Frankfurter Museumskreisen. Nikolaus Schweickart hatte seine Vorstellung mit der bemerkenswerten Feststellung eingeleitet, Philipp Demandt sei „kein Klon von Max Hollein“, was indirekt möglicherweise verrät, was Schweickart am allerallerallerliebsten gewesen wäre.

Städel, Schirn und Liebieghaus schwimmen seit Jahren auf Erfolgskurs. Demandt weiß das und übernimmt seinen Posten respektvoll, aber ohne falsche Demut: Er trete in Frankfurt nicht als „Superkurator“ an. Die Experten für die Häuser säßen in den Teams. Insofern, verspricht er, wolle er zunächst zuhören, sich einen intensiven Eindruck verschaffen und ansonsten jenen freiheitlichen Geist pflegen, der in den Häusern gute Tradition hat.

„Sammeln – Bewahren – Vermitteln“: Für diese museale Tugend-Trias stehe auch er. Wobei er sich beim Sammeln klar dazu bekennt, dass auch zeitgenössische Kunst zum Städel gehört: „Einer international so angesehenen Stadt stehen auch zwei Museen mit moderner Kunst gut zu Gesicht.“

Philipp Demandt kommt aus einer Gelehrtenfamilie mit langer Tradition. So wie er wert legt auf familiäre Traditionen, versteht er auch Museen als Orte erzählender Traditionspflege. „Unser Fach heißt nicht Kunst, sondern Kunstgeschichte“, sagt er. Immer gehe es um die Frage, „welche Geschichten wir wie erzählen wollen“.

(wol)

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