DZ-Bank zeigt Fotoarbeiten ihrer Stipendiaten

Einfach nur Ich

Fünf Fotografen stellen in der DZ-Bank ihre Projekte vor. Sie denken über die künstlerische Arbeit und über die Illusion von Konsum nach, über Postkarten, und knifflige Kriminalfälle.

Kaugummi und Klopapier, Butterbrot und Paracetamol, Jogginghose und Zahnbürste – diese Alltagsdinge haben mit dem Arbeitsleben zumindest wenig oder überhaupt nichts zu tun. Doch Laura Bielau betitelt ihre Schwarz-Weiß-Fotos lapidar mit „Arbeit“, da sie den Blick auf ihre Tätigkeit als Fotografin und auf ihr Atelier richtet. So entstand eine Serie von 50 Bildern, von denen jetzt 14 meist querformatige Fotos im Art-Foyer der Frankfurter DZ-Bank-Kunstsammlung zu sehen sind.

Für diese Serie erhielt die 35-jährige ostdeutsche Fotografin ein Stipendium des Geldinstitutes, verbunden mit einer bis 18. Februar nächsten Jahres laufenden Schau. Der Ausstellungstitel „f/12.2“ bündelt alle Daten des Stipendiums. Jeder, der sich mit Fotografie beschäftigt, kennt „f/11“ oder „f/16“, die Blendenzahl der Kamera. Je größer diese Zahl ist, desto kleiner ist die Blendenöffnung, und desto länger ist die Belichtungszeit, was wiederum zu einer höheren Tiefenschärfe führt. Zwar gibt es keine 12er-Blende, aber die Zahl steht für die zwölfmonatige Stipendiumsdauer und für die Beschäftigung mit einem Thema.

Die Ziffer 2 deutet an, dass zwei Stipendien vergeben werden, aber nur alle zwei Jahre. Eine gute Idee, das bereits bis 2003 gewährte Stipendium unter anderen Bedingungen vor drei Jahren neu aufleben zu lassen. Christina Leber, die Hüterin der DZ-Sammlung von rund 7000 Werken, ist glücklich darüber, dass damit neue Fotografen und Ideen ins Haus kommen.

Der zweite Stipendiat, der in Portugal als Sohn chinesischer Einwanderer geborene Bruno Zhu, bringt die dritte Dimension ins Spiel. Der erst 25-Jährige hat Abbildungen von Tischen in Originalgröße ausgedruckt und dann auf Hasendraht geklebt. Die Fotos stammen aus Möbelkatalogen und Magazinen. Auf dem runden braunen Couchtisch liegen etwa zwei Bücher, daneben stehen zwei gefüllte Gläser zum Trinken bereit – eine einladende Szene. Auch der rechteckige Küchentisch sieht mit dem Kuchen, der Glaskaraffe und dem Frühstücksgeschirr sehr gemütlich aus. Der dritte schwarze Tisch wirkt hingegen fast leer mit der einzelnen großen Tasse, aus der ein Löffel ragt.

Beim Anblick der Tische fragt man sich unwillkürlich, ob ihr Aussehen und ihre Maße ins heimische Ambiente passen. Und man überlegt natürlich auch, ob der Tisch zum jeweiligen Typ passt. Ein schicker Tisch gaukelt zwar dem Käufer eine Illusion vor, aber erwerben tut man nur den Tisch. Die Coolness oder Gemütlichkeit ist nicht automatisch dabei. So sind Bruno Zhus Objekte sehr hinterlistig, aber auch extrem fragil. Doch Christina Leber ist froh über die Neuzugänge. Denn sie plant eine Ausstellung über das Thema Fotografie und Skulptur – da passt Zhus spielerischer Umgang mit dem Material bestens.

Erfreulich ist, dass auch drei weitere Bewerber aus der Shortlist mit Ankäufen belohnt werden und zugleich viel Platz in der Schau erhalten. Der Spanier Oriol Vilanova etwa sammelt alte Ansichtskarten, aber immer im Doppelpack. Sie haben den Zahn der Zeit sehr unterschiedlich überdauert, wovon ausgebleichte Farben, abgerissene Ecken oder durchgedrückte Poststempel berichten. Aus den Urlaubsklischees für die Massen werden wieder Originale.

Gegenüber hängen große Schwarz-Weiß-Porträts einer jungen glatzköpfigen Frau, die ebenso abweisend wie androgyn wirkt. Dazu trägt auch ihr Outfit bei, das zwischen Karohemd und Kapuzenpullover, Schlabberhose und Springerstiefel, weißer Bluse und Krawatte wechselt. Eine Frau, die einfach nur ihr Ich zeigen will, ohne schön oder sexy zu wirken. Dem in Berlin lebenden Andrzej Steinbach ist ein markantes Porträt gelungen.

Jana Müller schließlich hat alte Fotos von Gerichtsreportern aus den 50er Jahren ausgegraben. Die Angeklagten oder schon Verurteilten wenden alle ihr Gesicht ab oder verbergen es. Auf dem Boden sind Kleidungsstücke zu sehen, aufbewahrt unter Glasscheiben wie Schmetterlinge. Damit entstehen vor dem inneren Auge die spannendsten Krimis von Tätern und Opfern – Jana Müller weiß den Betrachter geschickt zu packen.

Art-Foyer der DZ-Bank-Kunstsammlung, Frankfurt, Cityhaus I, Friedrich-Ebert-Anlage, Telefon (069) 74 47 23 86. Bis 18. Februar 2017. Geöffnet dienstags bis samstags 11–19 Uhr. Freier Eintritt. Internet

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