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„Er war einfach unwiderstehlich“

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Jacques Cousteau (Lambert Wilson) ist samt seinem Forschungsschiff Calypso auf den Meeren der Welt unterwegs. Zusammen mit seinem Sohn Philippe dreht er unter Wasser spektakuläre Filme. An Bord trägt er eine rote Strickmütze, die er zu seinem Erkennungszeichen gemacht hat.
Jacques Cousteau (Lambert Wilson) ist samt seinem Forschungsschiff Calypso auf den Meeren der Welt unterwegs. Zusammen mit seinem Sohn Philippe dreht er unter Wasser spektakuläre Filme. An Bord trägt er eine rote Strickmütze, die er zu seinem Erkennungszeichen gemacht hat. © Coco Van Oppens

In dem Film „Jacques“ spielt Lambert Wilson den großen französischen Charismatiker Cousteau auch als energischen Umweltschützer. Unter der Regie von Jérôme Salle.

In Frankreich ist Lambert Wilson (58) durchaus ein Begriff, obwohl er hauptsächlich kleinere Kinorollen gespielt hat („Das Blut der Anderen“). Aber er ist auch bis nach Hollywood vorgedrungen, wo er mit dem großen Fred Zinnemann den Bergfilm „Am Rande des Abgrundes“ gedreht hat oder in der „Matrix“-Reihe zu sehen war. Jetzt kommt der in Neuilly-sur-Seine bei Paris Geborene als der Meeresforscher Jacques Cousteau ins Kino. Unter der Regie von Jérôme Salle geht es darum, wie der Unterwasserforscher auf seinem Schiff „Calypso“ die Meere der Welt befuhr und in den 60er/70er Jahren Unterwasserfilme (zusammen mit Sohn Philippe) drehte, die für damalige Verhältnisse eine Sensation waren. Martin Schwickert unterhielt sich mit dem Schauspieler, der auch ausgebildeter Bariton ist und zwei Klassik-CDs herausgebracht hat.

Monsieur Wilson, sind Sie mit den Filmen von Jacques Cousteau aufgewachsen? Gehört er zu den Helden Ihrer Kindheit?

LAMBERT WILSON: Er war für mich als Kind vielleicht weniger ein Held. Ich habe ihn eher wie einen Großvater geliebt. Für mich war Cousteau ein netter alter Mann, der diese unglaublichen Abenteuer unternommen hat. Damals gab es ja nur zwei TV-Kanäle, und wir haben seine Filme zu Hause auf fast schon religiöse Weise verfolgt.

Was hat Cousteau damals zu einer solch beeindruckenden Gestalt seiner Zeit gemacht?

WILSON: Zuallererst die Bilder aus der Welt des Meeres, die Cousteau den Leuten ins Wohnzimmer gebracht hat. Er war der Erste, der solche Unterwasseraufnahmen gedreht hat. Cousteau hat ja die „Aqualunge“ miterfunden, die es dem Menschen erst möglich gemacht hat, unter Wasser zu atmen. Und dann – das sagen alle Leute, die ihn kannten übereinstimmend – war er ein großartiger Verführer. Sein Charme und sein Charisma waren immens. Das wirkte besonders in Frankreich, weil er auch so ungeheuer französisch war. Seine kultivierte Art und gewählte Ausdrucksweise haben ihm viele Türen geöffnet. Er war einfach unwiderstehlich. Auch als er älter war, hat er dieses Charisma nicht verloren, aber da war es eher sein politisches Engagement, mit dem er sich öffentlich profilierte.

Wie kam es zu dieser Wandlung vom Wissenschafts-Entertainer zum Umweltaktivisten?

WILSON: Seit den 60ern hat Cousteau gesehen, wie die Meere durch die Industrialisierung verschmutzt werden. Er war sozusagen ein „Vor-Öko“. Sein Sohn Philippe brachte dann den ganzen Idealismus der Hippie-Generation mit ins Unternehmen, und gemeinsam haben sie diese Kampagne zum Schutz der Meere vorangetrieben. Cousteau hat es geschafft, alle Regierungen davon zu überzeugen, dass die Bodenschätze der Antarktis bis ins Jahr 2048 unangetastet bleiben. Das ist eine außerordentliche politische Leistung.

Sie sind selbst für die Dreharbeiten in die Antarktis gereist.

WILSON: Die Schönheit der Antarktis ist wirklich atemberaubend. Diese Landschaft hat aber auch eine enorme symbolische Kraft. Es ist wichtig, dass es einen Kontinent auf der Welt gibt, der von den Menschen unberührt bleibt und niemandem gehört.

Hatten Sie schon vor dem Film Taucherfahrungen?

WILSON: Nein, aber ich bin richtiggehend süchtig danach geworden. Sie mussten mich fast schon mit Gewalt aus dem Wasser ziehen, wenn ich irgendwelche Szenen in einem langweiligen Büro spielen musste.

Sind Sie als Schauspieler auch Entdecker?

WILSON: Zumindest glaube ich, dass ich die Neugier des Entdeckers in mir trage. Das war nicht immer so. Als junger Schauspieler war ich oft zu sehr auf meine Karriere fokussiert, schaute nicht links und rechts und wollte nur mein Ziel erreichen. Mit zunehmendem Alter habe ich mich von diesem Ehrgeiz freigemacht und mich für neue Abenteuer und Risiken in meinem Beruf geöffnet. Die Zielstrebigkeit verschwindet, aber die Lust am künstlerischen Entdecken nimmt zu. Ich bin da ein bisschen wie Cousteau. Wir sind beide schnell gelangweilt und suchen immer nach neuen Anregungen. Da ist das Filmgeschäft genau das Richtige. Die Lust an der Transformation und dem Reisen in unbekannte Richtungen gehört zum Beruf.

Das französische Kino scheint gerade weniger abenteuerlustig zu sein und in einer Welle von Komödien zu ertrinken. Ist das eine Reaktion auf die düsteren politischen Zeiten, in denen sich das Land befindet?

WILSON: Es gibt auch einige wenige Filme, die sich mit der sozialen Situation im Land auseinandersetzen. Aber in Krisenzeiten kann sich das Publikum in Komödien am besten seiner selbst versichern. Komödien werden sehr viel leichter finanziert als anspruchsvollere Filme, und die Leute schauen sie sich gerne an. „Jacques“ ist eine der wenigen Nicht-Komödien in diesem Jahr, die in Frankreich mehr als 1,4 Millionen Zuschauer fand.

Vom 8. Dezember an in den Kinos

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