Wo bin ich? Alice muss sich im Wunderland zwischen all den Kaninchen erst zurechtfinden.
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Wo bin ich? Alice muss sich im Wunderland zwischen all den Kaninchen erst zurechtfinden.

English Theatre

Einige Wunder warten an der Hauptwache

  • vonElisabeth Schmidtke-Börner
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Zu dem Märchenstück „Alice in Wonderland“ hatte sich der Drama Club des English Theatre Frankfurt mit Studenten und Schülern zusammengetan.

„Alice in Wonderland“ gehört zu den meistgelesenen Büchern in englischer Sprache, neben der Bibel und „Hamlet“, und mit zur bekanntesten Kinderlektüre überhaupt seit Generationen. Und die 1865 erstmals erschienenen Abenteuer der kleinen Britin, die auf der Suche nach einem weißen Kaninchen in einem tiefen Loch verschwindet und in einer skurrilen Welt landet, spuken bis heute durch Bücher, Theater und Filme. Erst 2010 verfilmte Hollywood den Stoff neu mit Johnny Depp und Anne Hathaway; auch „Matrix“ und selbst ein Pornofilm griffen auf Alice zurück. Erstaunlicherweise war der frühe Fantasy-Autor, der „Alice“ verfasste, der Engländer Lewis Carroll (1832–1898) ein eher scheuer Mathe-Lehrer in Oxford, der nebenher humoristische Texte schrieb. Am liebsten jedoch erzählte der erotisch eher verklemmte Junggeselle kleinen Mädchen selbsterdachte Geschichten. Auf einem Bootstrip soll eine 10-jährige Alice ihn gebeten haben, seine recht abstruse Story aufzuschreiben – ein Bestseller war geboren.

Träume und Ängste

Das Besondere an diesem Kinderbuch war wohl, dass es nicht nur moralisch-erzieherisch daherkam, sondern auch Schatten und Tiefen im Kinderleben auslotete. Teenager Alice begegnet im „Wonderland“ quasi den Träumen, Ängsten und Obsessionen ihrer Kindheit in Gestalt von vielen weißen Rabbits, Schmetterling und Raupe, Rittern und einer bösen Königin, die sie teils drangsalieren, teils ermutigen. Creativ-Chef Michael Gonszar steuerte nun im English Theatre Frankfurt dessen Drama Club zusammen mit Studenten der Ustinov Theatre School und Schülern der Maria-Ward-Schule Bad Homburg als sehr engagiertes Ensemble aus Profis und Laien durch das Land der Wunder. Er hatte die originelle Idee, Alice gleich siebenfach im braven britischen grünen Schulmädchenkleid auf die Bühne zu stellen, wohl um alle Facetten seiner Heldin zu zeigen. In den Kinderklassiker ist im Laufe der Jahre viel hineininterpretiert worden, Freud’sche Traumthesen und in den 60er Jahren auch die Nähe zu „Sex and Drugs“. Allerdings besteht der Verdacht, dass Carroll vor allem unterhalten wollte, und daran hielt man sich im English Theatre.

Mit Videos, die Alice ganz heutig an Frankfurts Hauptwache zeigen, mit fantasievollen Hintergrund-Projektionen, Musik von Dennis Tjiok, gespielt vom recht professionellen Maria-Ward-Orchester, ging es vor animiertem, meist jungem Publikum in die Wunderwelt.

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