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Electropop-Duo "Pet Shop Boys" bring seinen synthetischen Sound in die Mainzer "Halle 45"

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Tragen Aliens heute schicke Anzüge? So jedenfalls präsentierten sich die ?Pet Shop Boys? bei ihrem Auftritt in Mainz.
Tragen Aliens heute schicke Anzüge? So jedenfalls präsentierten sich die ?Pet Shop Boys? bei ihrem Auftritt in Mainz. © Sven-Sebastian Sajak

An Selbstbewusstsein mangelt es Neil Tennant und Chris Lowe wahrlich nicht. Seit 1985 sind sie als „Pet Shop Boys“ erfolgreich. Da darf man ein Album und die zugehörige Tournee auch mal „Super“ nennen.

Eigentlich war das Konzert im Rahmen des „Summer In The City“ in Mainz auf der Zitadelle geplant, einer der schönsten Open-Air-Locations der Region. Nur: Wenn der Auftritt einer Band wie der der „Pet Shop Boys“ als Gesamtkunstwerk nicht unmaßgeblich von seiner Optik lebt, dann läuft vorm Sonnenuntergang (an diesem Abend 21.40 Uhr) die Lightshow ins Leere. Also muss man auf das Freiluftkonzert verzichten und in die „Halle 45“, die früher mal Phönix-Halle hieß, umziehen. Die alte Waggonfabrik in Mainz-Mombach mit ihrer schönen Fassade bietet nach ihrer Modernisierung flexibel zu bespielende 5000 Quadratmeter.

Bei den „Pet Shop Boys“ ist das ein schlicht mit schwarzem Molton-Stoff abgetrenntes Rechteck für 2000 Besucher – ein zweckmäßiger, aber liebloser Raum. Die Jahrhunderthalle in Frankfurt beim letzten Mal war ein passenderer Saal. Der Stimmung tut das allerdings keinen Abbruch. Die Briten, inzwischen mit 62 und 57 längst reife Jungs, verstehen es, ihre Fans in ihrer Großraumdisco willkommen zu heißen. Eingestimmt mit Techno-Klängen aus der Konserve, übernimmt Instrumentalist Chris Lowe an seinem Kommandostand die partytauglichen 4/4-Beats und wummernden Bässe auf breiten Keyboardflächen. Das animiert gleich zum Mitklatschen. Vor einer Riesenleinwand als Bühnenhintergrund mit all den quietschbunten, wirbelnden und kreiselnden grafischen Elementen fallen die Hauptdarsteller mit ihren futuristischen Helmen gar nicht groß auf. Tragen Aliens heutzutage schicke Anzüge?

Neil Tennant als Sänger und Spokesman erklärt das Duo – und seine Zuschauer zu „Pop Kids“. „Rock wird überschätzt“, lautet eine Botschaft des Liedes. Und so bleibt der Sound auch synthetisch, als zwei Schlagzeuger und eine singende Keyboarderin die „Pet Shop Boys“ zum Quintett vergrößern. Selbst eine Geige geht in den artifiziellen Klang-Layouts unter.

„Sophisticated“ ist ein Wort, dass die Electropop-Pioniere nur allzu gerne für ihre Gebrauchskunst verwenden. Anspruchsvoll, kultiviert und raffiniert waren bis dato vor allem ihre Kompositionen für Sergej Eisensteins Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ und ihre Orchesterarbeiten wie „A Man From The Future“. Respekt dafür. Kunst und Kommerz sind bei den „Pet Shop Boys“ zwei Seiten einer Medaille. Keine Frage: Mit „West End Girls“, „It’s A Sin“, „Go West“ und „Always On My Mind“, dramaturgisch sinnvoll übers 90-Minuten-Programm verteilt, sind Tennant/Lowe zeitlose Klassiker gelungen. Doch wenn man das Publikum beobachtet, wie es sich bei einem Schmachtfetzen wie „Se A Vida E“ einschunkelt, stellt man sich die Frage: Sind das am Ende des Tages nicht auch Schlager – nur eben mit anderen Mitteln umgesetzt?

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