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Emotionale Preisverleihung beim Max Ophüls-Filmfestival

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Max Ophüls Preis
Das Filmfestival Max Ophüls Preis gilt als wichtiges Festival für den deutschsprachigen Filmnachwuchs. © Oliver Dietze/dpa

Es flossen Tränen, es wurde gejubelt, es herrschte Sprachlosigkeit: Zwar fand die Preisverleihung beim 43. Filmfestival Max Ophüls Preis wegen des Coronavirus nur online statt - emotional war es trotzdem.

Saarbrücken - Fast wären die Überraschung und der Höhepunkt der fast zweieinhalbstündigen Online-Preisverleihung geplatzt.

Denn während Schauspielerin Idil Üner am Mittwochabend noch die Laudatio für die beste Regie („Soul of a Beast“ von Lorenz Merz) hielt, wurde zeitgleich bereits die Jury-Bewertung für den besten Spielfilm beim Filmfestival Max Ophüls Preis (MOP) abgespielt: für „Moneyboys“ von C.B. Yi.

Wie gut, dass beides schlecht verständlich und der chinesisch-österreichische Autor und Regisseur da schon auf der Straße auf dem Weg zum Filmfest im französischen Anger war. So konnten die Zuschauer noch einen verdutzten Yi erleben, der gleich dreimal beim MOP, einem wichtigen Festival für den jungen deutschsprachigen Film, absahnte - und diese Auszeichnungen direkt bei der Premiere in Frankreich bekanntgeben konnte.

„Moneyboy“ gewinnt

Denn „Moneyboys“ gewann nicht nur den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis für den besten Spielfilm, sondern erhielt zusätzlich den Preis für das beste Drehbuch und den Preis der ökumenischen Jury. Der Film handelt von dem homosexuellen Chinesen Fei (Kai Ko), der als Moneyboy (Stricher) arbeitet. „Der bewusste Einsatz von Farben, Musik und Ästhetik unterstreicht kraftvoll die Dynamik des schnellen Geldes mit dem eigenen Körper auf einem prekären Weg in die chinesische Upper Class“, urteilte die ökumenische Jury. „Ist doch gut, dass das, was ich erzählen will, auch angekommen ist“, sagte Yi und gab zu: „Ich freue mich total. Das hat mich berührt.“

Für den deutschsprachigen Filmnachwuchs gab es nach zehn Tagen insgesamt 18 Preise im Wert von 118 500 Euro in den Wettbewerben Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm. Drei Preise gingen an „Soul of a Beast“ von Lorenz Merz (Regie/Buch): für die beste Regie, als bester Spielfilm für die Filmkritik und für Pablo Caprez als bester Schauspielnachwuchs. Der Film erzählt von einem Freundes-Trio, das nachts in den Zoo einbricht - und am nächsten Morgen ist die Welt eine andere. „Ein wilder, wahnsinniger Ritt“, so die Jury für die beste Regie. „Ein Feuerwerk aus Bildern, Musik, Geräuschen, Sinnlichkeit und Magie. Unberechenbar, unvorhersehbar.“

Festival in Hybrid-Form

Lorenz Merz zeigte sich selbst vor allem „unglaublich dankbar“: Nicht nur über die Preise, sondern auch die „mega schöne Gastfreundschaft“ und den menschlichen Austausch in Saarbrücken: „Das war so wunderschön und sanftmütig und sympathisch und inspirierend.“ Auch Festivalleiterin Svenja Böttger und der künstlerische Leiter Oliver Baumgarten waren glücklich, dass das 43. MOP nach der Online-Variante 2021 dieses Mal zumindest in Hybrid-Form stattfinden konnte. So wurden die meisten der 80 Filme nicht nur auf einer Streaming-Plattform, sondern auch dezentral in neun saarländischen Kinos gezeigt. „Das tat sehr gut, diesen Schritt zurück zu machen“, sagte Böttger.

Der rote Teppich und die Promis fehlten zwar bei der Abschlussveranstaltung, die als reines Online-Event stattfand, große Gefühle gab es trotzdem: mit Tränen der Freude, mit Sprachlosigkeit oder auch unbändigem Jubel. Anders als bei einer gemeinsamen Preisverleihung in Saarbrücken musste so mancher Preisträger in ganz kleinem Rahmen am Bildschirm feiern: mal alleine im Hotelzimmer, mit Freundin im Zug, dem Team auf dem Sofa oder der Familie in Portugal. Das mit anzusehen, war mitunter ebenso amüsant wie anrührend.

Preisverleihung auf Youtube

Nicht nur Paula Knüpling und Marina Prados konnten sich dabei über die Bewertung für ihren Film „Ladybitch“ und den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film freuen, sondern auch die Macher des Filmfestivals - darunter Oliver Baumgarten, der nach acht Festivalausgaben nun neue berufliche Wege geht. Laut Jury ist „Ladybitch“ genau das, was man sich vom Max Ophüls Preis erhoffe: „Dass junge Filmemacher:innen etwas ausprobieren, experimentieren und etwas riskieren, so dass etwas Neues entstehen kann.“ dpa

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