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Glänzend aufgelegt und bestens bei Stimme: Rufus Wainwright am Flügel.

Konzert von Rufus Wainwright

Zum Finale gibt’s ein getragenes Hallelujah

Ein Multitalent mit eigener Meinung: Rufus Wainwright eröffnet mit einem magischen Solokonzert die alljährliche Mousonturm-Reihe „Summer In The City“ im Palmengarten.

Für gestresste Großstadtbewohner wirkt das grüne Idyll des Palmengartens definitiv entspannend aufs Gemüt. Zumal aus den dezent aufgedrehten Lautsprecherboxen sanft jener Stil-Crossover aus Latinjazz, Weltmusik, Südseeklängen und Voodoorhythmen plätschert, der sich seit seiner ersten Prägung in den 50er Jahren durch die Orchester von Martin Denny, Les Baxter, Arthur Lyman, Juan García Esquivel oder Perez Prado vielversprechend Exotika nennt und im Zuge des Easy-Listening-Kults vor geraumer Zeit ein ausgiebiges Revival feierte. Doch rasch ändert sich das Bild im Areal. Binnen einer Viertelstunde droht die Konzertmuschel, massiv zu übervölkern. Unmöglich für die Zuspätkommer, noch einen Platz zu finden.

Auch Rufus Wainwright, amerikanisch-kanadischer Sänger und Komponist, hält es nach seinem pünktlichen Konzertbeginn mit den heiter-beschwingten Klavierakkorden von „Beauty Mark“ aus seinem Debütwerk von 1998 und der Bemerkung zu umherschwirrenden Insektenschwärmen „I hope the bugs don’t kill us“ nicht lange auf seinem Hocker aus. Nach den in Moll getauchten Zeitlupen-Oden „Vibrate“ und „Memphis Skyline“ am Flügel zieht es Wainwright zur dickbauchigen Akustikgitarre in der Bühnenmitte.

„Lasst mich mal kurz schildern, was Euch heute Abend so erwartet“, startet er die erste von einigen weiteren Ansprachen an sein Publikum. Viel vom frühen wie mittleren Rufus fände sich im Repertoire, lässt er wissen. Außerdem erwähnt der vor zwei Tagen 45 Jahre alt gewordene Sohn der Folkmusiker Kate McGarrigle und Loudon Wainwright III, dass nach seiner ersten Oper „Prima Donna“ von 2009 noch in diesem Jahr eine zweite in Toronto Premiere feiern wird: „Hadrian“ thematisiert die innige wie unglücklich endende Beziehung zwischen dem römischen Kaiser und seinem Geliebten Antinous.

Noch mehr als sein zwischen Bronze, Gold und Oliv changierender Lurex-Zweiteiler aus Pluderhose und armloser Weste glänzt Rufus Wainwright. Traumhaft sicher intoniert sich der stimmgewaltige Tenor, mal am Flügel, mal an der Akustikgitarre und bei „Candles“ kurz vor der Zugabe auch a cappella, durch sein Programm. „Peaceful Afternoon“ widmet er seinem deutschen Ehemann Jörn Weißbrodt, dessen Familie komplett aus dem rheinland-pfälzischen Landau angereist ist, sowie ihrer gemeinsamen Tochter Viva Katherine, einst ausgetragen von Leonard Cohens Tochter Lorca.

Zu „Gay Messiah“ gibt es wieder eine längere, recht verworrene wie urkomische Geschichte, die sich vor einiger Zeit in der ewigen Stadt Rom zutrug und mit Schlagzeilen wie „Skandal“, „Demonstration“, „Schwuler Messias“ und „Fünf Priester vom Vatikan“ in italienischen Tageszeitungen endete.

Mit „Alone Time“ und „Only The People That Love“ finden sich gleich zwei qualitativ hochwertige neue Songs vom noch unveröffentlichten nächsten Studioalbum. Um der angerappten Antihymne „Trump Song“ auf den gegenwärtigen Präsidenten der Vereinigten Staaten den rechten Rahmen und die rechte Rhythmik zu verpassen, kommt sowohl eine Beat Box als auch eine exotische Dame in olivgrüner Armeejacke mit der Rückenaufschrift „Er ist supergeil“ zum Einsatz. Mit den Worten „To keep the party going we need a Leonard Cohen song“ leitet Wainwright in eine reichlich flotte Akustikgitarrenfassung von „So Long, Marianne“ über.

Auf einem Cohen-Bein lässt es sich schlecht stehen. Im frenetisch umjubelten Zugabenteil platziert sich zwischen den Fanfavoriten „Going To A Town“ mit der denkwürdigen Zeile „I’m so tired of America – no shit“ sowie dem Titelsong des zweiten Studioalbums „Poses“ ein weiterer Cohen-Klassiker: das getragene „Hallelujah“.

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