Sportmediziner Tarek Berger (Elyas M?Barek, rechts) denkt nur an seine Arbeit. Flüchtling Diallo (Eric Kabongo) findet, dass der Doktor sich mehr den schönen Seiten des Lebens zuwenden sollte und weiß auch schon eine Frau für ihn.
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Sportmediziner Tarek Berger (Elyas M?Barek, rechts) denkt nur an seine Arbeit. Flüchtling Diallo (Eric Kabongo) findet, dass der Doktor sich mehr den schönen Seiten des Lebens zuwenden sollte und weiß auch schon eine Frau für ihn.

Film mit Elyas M’Barek

Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“

Als Hilfslehrer in „Fack ju Göhte“ wurde der tunesisch-österreichische Schauspieler Elyas M’Barek zum Aufsteiger. Jetzt spielt er in einem Film von Simon Verhoeven.

Den ersten Auftritt hatte Elyas M’Barek noch während seiner Schulzeit in „Mädchen, Mädchen“. Für seine Rolle in der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ bekam er den Deutschen Fernsehpreis. An der Seite von Matthias Schweighöfer trat er in „What a man“ auf, doch zum Überflieger wurde er als Gangster und Hilfslehrer in der Schulkomödie „Fack ju Göhte“. Einen ernsthafteren Hintergrund hat nun Simon Verhoevens Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“, in der eine Familie einen Flüchtling aufnimmt. Zu den Darstellern gehören Senta Berger, Heiner Lauterbach, Uwe Ochsenknecht und Florian David Fitz. M’Barek spielt einen Sportmediziner, der einen Flüchtlingstreff organisiert hat. Als Sohn eines tunesischen Vaters und einer österreichischen Mutter in München geboren, hat M’Barek (34) die österreichische Staatsbürgerschaft, aber auch persönlich Erfahrung mit Migration. Mit dem Schauspieler unterhielt sich Dieter Oßwald.

Herr M’Barek, Sie haben in München Ihr eigenes Restaurant. Diese Woche eröffnet auch Til Schweiger ein Lokal in Hamburg. Welche gastronomischen Tipps hätten Sie für Ihren Kollegen?

ELYAS M’BAREK: Ich bin ja kein Gastronomie-Profi, für mich ist das Lokal, das ich gemeinsam mit zwei Freunden eröffnet habe, in erster Linie ein Hobby. Ich stehe dort nicht in der Küche oder bewirte die Leute – das überlasse ich meinen Partnern, die damit Erfahrung haben. Ich begnüge mich dort mit der Rolle als Gast. Natürlich wünsche ich Til viel Erfolg und hoffe, dass er mit einer guten Küche viele Leute anlockt.

In „Willkommen bei den Hartmanns“ halten Sie als Klinikarzt eine Grundsatzrede zur Bedeutung deutscher Werte, die es zu verteidigen gelte. Für manche vielleicht eine Überraschung mit Lerneffekt?

M’BAREK: Es bekommt schon eine besondere Gewichtung, wenn jemand, der offensichtlich einen Migrationshintergrund hat und nicht urdeutsch aussieht, im Film sagt, wie großartig dieses Deutschland sei. Und dass die Deutschen viel mehr zu ihren Werten stehen und sie verteidigen müssten.

Wie wichtig sind Ihnen solche Aussagen?

M’BAREK: Was meine Figur hier sagt, kann ich voll unterschreiben. Viele Menschen sind, so wie ich, hier in Deutschland geboren und aufgewachsen. Die mögen nicht wie typische Deutsche aussehen, aber sie verstehen sich als solche und möchten so wahrgenommen werden. Deutschland ist deren Heimat und Lebensmittelpunkt. Warum soll so jemand also nicht zu deutschen Werten stehen?

Bislang waren Sie bei diesem Thema eher zurückhaltend.

M’BAREK: Keineswegs. Aber ich wurde bislang eben immer nur nach meinen österreichischen Wurzeln gefragt, und man wollte vor allem wissen, wie gut mir der Kaiserschmarren schmeckt.

Welche Erfahrungen haben Sie mit abschätzigen Kommentaren oder Fremdenfeindlichkeit gemacht?

M’BAREK: Das habe ich in meiner Jugend häufig erlebt. Und leider gewöhnt man sich an solche Dinge. Auf Grund meiner Prominenz sind solche Vorfälle mittlerweile zwar weniger geworden, aber das passiert auch heute noch. Mir tut es für die Leute leid, die nicht den Bonus eines Promis haben – und die eben auch gerne als deutscher Teil der Gemeinschaft wahrgenommen werden möchten. Es ist schade, dass es diese Ewiggestrigen gibt, die nicht damit klarkommen, dass dieses Land sich verändert hat und nicht mehr so aussieht wie zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Im Unterschied zu „Fack ju Göhte“ spielen Sie hier nicht die Hauptrolle, sondern in einem Ensemble. Ist da die Last leichter zu tragen, oder leidet das Ego?

M’BAREK: So denke ich überhaupt nicht. Für mich ist in erster Linie das Drehbuch wichtig. In diesem Fall fand ich die Story grandios und wollte ganz einfach ein Teil davon sein. Für mich ist völlig unerheblich, wie viele Drehtage ich habe, oder wie groß meine Rolle ausfällt.

Was finden Sie an der Story denn so grandios?

M’BAREK: Der Film macht es sich nicht einfach. Er betrachtet viele Fragen, die man sich aktuell in Deutschland stellt. Mit den Vorurteilen, mit denen sich Flüchtlinge konfrontiert sehen, wird in dieser Komödie aufgeräumt. Gleichwohl wird das Publikum nicht bevormundet. „Willkommen bei den Hartmanns“ hat eine Haltung, und zugleich besitzt der Film eine schöne Leichtigkeit, die unterhaltsam ist und berührt. Für mich ist das eine sehr kluge Komödie.

In den USA avanciert das mexikanische Remake von „Fack ju Göhte“ gerade zum Kassenschlager. Haben Sie „No Manches Frida“ und Ihren Latino-Doppelgänger schon gesehen?

M’BAREK: Nein, ich kenne ja unseren Film schon und kann mir die identische Kopie auf Mexikanisch sparen. Wenn überhaupt, darf unser Autor und Regisseur Bora Dagtekin sich geehrt fühlen, dass in einem ganz anderen Teil der Welt über seine Pointen so gelacht wird wie bei uns.

Wann kann man bei uns über einen dritten Teil von „Fack ju Göhte“ lachen?

M’BAREK: Dazu kann ich zur jetzigen Zeit noch nichts sagen. Es wird im Hintergrund intensiv an einem neuen Film gearbeitet. Aber spruchreif ist da noch nichts.

Vom 3. November an in den Kinos

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