+
Auch mit 80 scheut Gordon Lightfoot keinen Auftritt: Noch im November gibt er in Ottawa und weiteren kanadischen Städten Konzerte.

Musik

Folkpop-Legende Gordon Lightfoot wird 80 – und geht immer noch auf Tour

  • schließen

Er besang den "Early Mornin' Rain" in einer Sehnsuchtsballade, schrieb dem "Carefree Highway" eine Freiheitshymne auf den Asphalt und verwandelte eine moderne Schiffskatastrophe in die düstere Folkballade "The Wreck Of The Edmund Fitzgerald": Der Kanadier Gordon Lightfoot hat mit seinen Liedern den Klang der 60er und 70er Jahre mitdefiniert. Heute wird der rastlose Troubadour 80 – nachdem er schon einmal beweisen musste, dass die Nachricht von seinem Tod stark übertrieben war.

„Mir fällt kein einziger Gordon-Lightfoot-Song ein, den ich nicht mag. Immer, wenn ich ein Lied von ihm höre, wünsche ich mir, dass es für immer weiterläuft.“ Was wie ein schwärmerisches Kompliment aus dem Munde eines musikverliebten Teenagers klingt, stammt tatsächlich vom Kollegen Bob Dylan – und darf mithin als Ritterschlag gelten. 

Dabei steht der amtierende Literaturnobelpreisträger mit seiner Liebe nicht alleine da: In seinem Heimatland gilt Gordon Lightfoot seit Jahren als Nationalheiligtum. Seine „Canadian Railroad Trilogy“ unterfüttert trotz sanfter sozialer und ökologischer Kritik den Gründungsmythos des Landes, ist bis heute Schullektüre und heimliche Nationalhymne. 

Mächtiger Bariton 

Premierminister Justin Trudeau persönlich kündigte den Künstler an, als der im vergangenen Jahr sein alljährliches Konzert in der Massey Hall von Toronto spielte – als letzter Künstler, ehe die ehrwürdige Stätte für zwei Jahre wegen Renovierung ihre Pforten schloss. 

Auch wenn er seine kanadische Heimat selten für längere Zeit verließ: Seine Karriere startete wie so viele andere Anfang der 60er Jahre in New York. Der umtriebige Albert Grossman, der auch Manager von Bob Dylan, dem Folk-Trio „Peter, Paul and Mary“ und später Janis Joplin war, nahm das junge Talent unter seine Fittiche. Erste Erfolge erzielten Lightfoots Stücke wie „For Lovin’ Me“ oder „Early Morning Rain“ indes in den Versionen befreundeter Künstler wie „Peter, Paul and Mary“ und seinen kanadischen Landsleuten „Ian and Sylvia“. 

Doch bald schon profilierte sich der schlaksige Künstler in der pulsierenden Musikszene der Stadt mit eigenen Auftritten. Sein Markenzeichen: ein mächtiger Bariton, der in mitunter eigenwilliger Intonation von Güterzügen, Landstraßen und verlorener Liebe sang. Verglichen mit den lyrischen Explosionen eines Bob Dylan oder den literarischen Qualitäten der Texte seines kanadischen Landsmannes Leonard Cohen, kamen Lightfoots Kompositionen mit einem eher überschaubaren Vokabular aus. Doch vermochte er wie kaum ein Zweiter mit wenigen, wohlgesetzten Worten und eingängigen Melodien Stimmungen zu erzeugen, in denen sich viele seiner vietnamkriegsmüden und von universaler Liebe träumenden Generation wiederfanden. In Zeiten größter politischer Tumulte und sozialer Umwälzungen war ein Lightfoot-Lied wie ein guter, verlässlicher Freund, der einen zum Ausflug aufs Land einlud. 

So überlebte Lightfoot künstlerisch den Ausbruch der „Beatle“- Mania, die Welle des Psychedelic Rock und sah sich auch Anfang der 70er Jahre gut positioniert, als junge, nachdenkliche Songpoeten wie er, James Taylor und Jackson Browne die musikalische Mode der Zeit prägten. In dieser Phase gelang ihm mit „If You Could Read My Mind“ auch sein größter Erfolg, der ihn zum Weltstar machte. Einzig Frank Sinatra, der nebenan aufnahm, soll mit Grausen aus dem Studio gelaufen sein, weil er die melancholische Ballade über Lightfoots zerbrochene erste Ehe als zu sentimental empfand, wie Nicholas Jennings in seiner exzellenten Biografie „Lightfoot“ berichtet. 

Bereits totgesagt 

Ein Hit wollte dem Kanadier seit den späten 70er Jahren nicht mehr glücken, obwohl er nie aufhörte, Lieder zu schreiben und auf Tournee zu gehen. Dennoch erwies sich „Gord“, wie ihn seine kanadischen Landsleute liebevoll nennen, als wahres Stehaufmännchen, überstand Alkoholsucht, zwei Scheidungen und ein Aneurysma mit tagelangem Koma im Krankenhaus. Durch eine Verkettung von Missverständnissen und die Geschwindigkeit sozialer Medien verbreitete sich Anfang 2010 gar landesweit das Gerücht, er sei tot. Gordon Lightfoot entkräftete die Falschmeldung mit einem Anruf bei einem großen kanadischen Radiosender, indem er mit Mark Twains unsterblichen Worten klar stellte: „Die Nachricht von meinem Tod ist stark übertrieben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare